Die Schweizer Wirtschaft entwickelt sich eigentlich nicht schlecht. Die KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich attestiert ihr, sich aktuell im Steigflug zu befinden. Das Bruttoinlandsprodukt ist seit dem Frühjahr 2017 um deutlich über zwei Prozent gewachsen. Dennoch bleibt die Arbeitslosigkeit bislang hartnäckig hoch, wenn sie gemessen wird nach der Methode der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Die Erwerbslosenquote wurde gestern vom Bundesamt für Statistik (BfS) für das zweite Quartal 2018 veröffentlicht.

226'000 Menschen waren demnach in der Schweiz ohne einen Arbeitsplatz. Das waren rund 13'000 mehr als noch ein Jahr zuvor. Die Erwerbslosenquote – der Anteil der Erwerbslosen an der Erwerbsbevölkerung – stieg dadurch um 0,2 Prozentpunkt und liegt nun bei 4,6 Prozent. Bereinigt um saisonale Effekte verharrte die Erwerbslosenquote bei für schweizerischen Verhältnissen hohen 4,9 Prozent.

Mit diesem negativen Trend fällt die Schweiz in der Eurozone ab. Dort fiel die Erwerbslosenquote innert eines Jahres deutlich, von 9 auf 8,2 Prozent (nicht saisonbereinigte Werte). Mittlerweile kommen einige Länder auf eine tiefere Erwerbslosigkeit. So hat Deutschland seit längerem einen besseren Wert: Die Quote liegt im nördlichen Nachbarland nur noch bei 3,5 Prozent. In den Niederlanden sind anteilsmässig ebenfalls weniger Menschen ohne Arbeit: 3,9 Prozent beträgt die Erwerbslosigkeit dort. Und neuerdings steht Österreich gleich gut da wie die Schweiz. Im ersten Quartal betrug die Erwerbslosenquote dort ebenfalls 4,6 Prozent.

Es ist nicht so, dass in der Schweiz zu wenig Jobs geschaffen würden, im Gegenteil. Die Konjunkturforschungsstelle KOF hat für die letzten Jahre gar ein eigentliches Jobwunder festgestellt. Auch im zweiten Quartal 2018 wurden 35'000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Warum die Erwerbslosigkeit dennoch hoch bleibt, ist daher auch dem Staatssekretariat für Wirtschaft ein Rätsel. Das Seco hat zu dieser Frage eine Studie in Auftrag gegeben. (nav)