Es sind private Jets der Luxus-Superlative: Riesige Fauteuils, Tische aus edelsten Hölzern, Schlafzimmer mit seidenbezogenen Betten, Toiletten mit goldenen Wasserhahnen und intarsienbelegte Schränke, State-of-the-Art-Küchen, hochflorige Teppiche – alle Wünsche werden bei Jet Aviation in Basel der schwerreichen Kundschaft erfüllt. Sofern sie Statik und Flugsicherheit nicht gefährden.

Und es sind nicht mehr nur die «kleinen» Businessjets, die derart ausgestattet werden, sondern immer mehr auch Grossraumflugzeuge der Jumbo- oder A-340-Klasse. Flugzeuge, die üblicherweise 400 Passagiere befördern. Wer sich so was leisten kann? Namen nenne die Firma nie, sagt die Sprecherin von Jet Aviation dezidiert. Diskretion ist alles in diesem Geschäft.

Gleichwohl kann man sich einen Reim machen auf die Kundschaft. Grossflugzeuge gehören meist Scheichs und deren Familien, die ihre Milliarden mit Öl gemacht haben. Es sind zum Teil Firmenjets oder Flugzeuge von schwerreichen Unternehmern sowie, relativ unverdächtig, offizielle Regierungsflugzeuge.

Auch mit Fotografieren wird nix bei unserem Rundgang in einem der Jet-Aviation-Hangars auf dem Flughafen Basel-Mülhausen. Hier werden rund ein Dutzend Flugzeuge gewartet und auf den neusten technischen Stand gebracht. Einige sind so zerlegt, dass man nicht den Eindruck hat, sie würden je wieder fliegen. Doch eine grosse Zerlegung ist in bestimmten Intervallen Vorschrift.

Tragische Vorgeschichte

Neben dem Hangar klafft eine Baulücke. Hier stand der erste Hangar von Jet Aviation, hier legte die Firma los, vor exakt 50 Jahren, am 10. November 1967. Er wurde frei, weil die hier eingemietete Basler Chartergesellschaft Globe Air nach dem tragischen Flugzeugabsturz auf Zypern mit 126 Toten in Konkurs ging. So weit die trübe Vorgeschichte des Hangars.

Unternehmer Carl Hirschmann, der seine Karriere in den USA mit dem Verkauf Schweizer Präzisionsmaschinen an die Flugzeugindustrie begann, hatte eine gute Nase fürs Geschäft. Er ahnte, dass Firmen Geschäftsflugzeuge brauchen, Charterflugzeuge. Zusammen mit ehemaligen US-Luftwaffengenerälen gründete er in Genf eine Flug- und Wartungsfirma, die auf Learjets spezialisiert war. Der Betrieb wurde 1967 nach Basel verlegt und firmierte fortan als Jet Aviation. Schon bald konnte die neue Firma Wartung und Bodenabfertigung des Flugzeugherstellers Pilatus in Zürich und Genf übernehmen. Die Expansion begann. Neue Geschäftsmodelle wurden entwickelt, wie etwa Gemeinschaftsbesitz von Geschäftsflugzeugen.

Hirschmann fiel auf, dass die Kunden aus dem Nahen Osten gerne mit der ganzen Familie unterwegs waren. Es gab Bedarf für grössere Flugzeuge. An der Airshow 1977 in Paris machte Jet Aviation Furore mit einer Convair 880 – ein ehemaliger vierstrahliger Linienjet, der mit einer opulenten Innenausstattung mit allerlei Luxus versehen wurde. An Bord gab es Fernsehen, einen Plattenspieler und Computer. Die Convair wurde in Basel ausstaffiert, flog um die Welt und wurde überall herumgezeigt. «Wir waren sofort auf der Karte», wird Sohn Thomas Hirschmann im Kundenmagazin «Outlook» zitiert. Eine Fluggesellschaft zu führen, war glamourös, und erst recht eine Firma, die Luxusjets für die Reichsten der Reichen liefert.

       Jet Aviation wuchs weltweit und eröffnete Flugbasen mit Wartungs- und Abfertigungsservice auf der ganzen Welt und kaufte Executive Air Fleet, die grösste US-Businesscharter-Gesellschaft. Sie hatte bald Hunderte von Flugzeugen unter Managementvertrag.

Schwierige Zeiten

Doch dann kamen schwierigere Zeiten. 1984 verkrachte sich Carl Hirschmann senior mit seinem Sohn Carl junior – angeblich wegen einer Lappalie: Carl jun. soll Carl sen. den Dienstwagen für eine Fahrt nach Nizza weggeschnappt haben. Jahrelange teure juristische Streitereien waren die Folge. Um die Firma dem Zugriff der Familie zu entziehen, überführte Carl sen. die Firmenanteile in eine Stiftung. Unternehmerische Entscheidungen wurden schwierig. Erst 2001 konnte die Firma wieder aus der Stiftung herausgelöst werden.

Die internen Wirrungen nahmen kein Ende. Kurzzeitig wurde 2003 Crossair-Gründer Moritz Suter als Verwaltungsratspräsident an Bord geholt. Das ging schief, nach einem Monat war er weg. Suter will über die damalige Episode nicht reden. Die starke Frau in der Firma war Rita Hirschmann, damals 77. Sie wurde Präsidentin, doch auch nur ganz kurzzeitig. Auch ihr Enkel Carl junior junior war für Schlagzeilen gut, als Paradiesvogel in der Zürcher Clubszene. Für Luftverkehr interessierte er sich weniger als für rauschende Partys und für Frauen, was sicher eine wunderbare Sache war, solange die Frauen auch wollten. Gemäss Gerichtsverhandlungen scheint das, freundlich ausgedrückt, nicht immer der Fall gewesen zu sein. Er wurde wegen sexueller Nötigung zu einer unbedingten Strafe verurteilt.

Zweimal verkauft

2005 wurde Jet Aviation, mittlerweile zu einem Grossbetrieb mit 3500 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 800 Millionen Franken angewachsen, an die Beteiligungsgesellschaft Permira verkauft. Ruhe kehrte aber deswegen nicht ein. Der von seinem (inzwischen verstorbenen) Vater geschasste Carl jun. wurde wieder Firmenleiter. 2008 verkaufte Permira die Firma an den US-Rüstungskonzern General Dynamics für 2,45 Milliarden Franken. Nach Expertenmeinung hatte Permira Jet Aviation für 800 Millionen Franken gekauft.

Abbau von Arbeitsplätzen

Die zahlreichen Mutationen an der Unternehmensspitze und die beiden Besitzerwechsel taten der Firma nicht gut. Dazu kamen der starke Franken und die Finanzkrise. Zu allem Elend machte sich ab 2007 auf dem Flughafen direkte Konkurrenz breit, die Amac Aerospace. Die Jungfirma, man kann sie mit Fug und Recht als Jet-Aviation-Spin-off bezeichnen, profitierte gleichermassen von frustrierten Kadern und Mitarbeitern von Jet Aviation. Für viele Jet-Aviation-Angestellte dürfte die Konkurrenz vor Ort ein Glücksfall gewesen sein. Denn der Platzhirsch baute 2010 bis 2012 im Zuge der Reorganisation von Arbeitsprozessen rund 500 Stellen ab. Heute hat sich die Lage wieder beruhigt, die Konjunktur ist gut. Grundsteinlegung für den neuen, riesigen Hangar ist kommende Woche. In Basel sind im Wartungsbereich 670 Angestellte tätig, im Innenausbau 1470. Weltweit beschäftigt Jet Aviation knapp 4500 Angestellte.