Allein schon seine Berufung zum Konzernchef erwies sich als Geschenk für die Aktionäre. Seit Mario Greco im März 2016 die Zügel der Zurich Insurance in die Hand bekam, haben die Aktien des grössten Schweizer Versicherers um 40 Prozent zugelegt. In dieser Phase zeigten zwar auch andere Titel der Branche eine gute Kursentwicklung. Aber die Performance der Zurich-Aktien ist dennoch bemerkenswert, zumal die Gesellschaft 2015 eine tiefgehende und kostspielige Bereinigung des Portfolios im Schadengeschäft hinter sich bringen musste.

Die Zurich will ihre Eigentümer weiter verwöhnen. Gestern kündigte Greco eine überraschend kräftige Erhöhung der Dividende auf 18 Franken pro Aktie an. Damit wird die Zurich im Frühjahr rund 2,7 Milliarden Franken an ihre Anteilseigner ausschütten. Rechnet man den ausgewiesenen Jahresgewinn von 3 Milliarden Dollar zum aktuellen Kurs in Franken um, ergibt sich eine Ausschüttungsquote von 95 Prozent.

Darüber hinaus kündigte Greco einen Aktienrückkauf im Umfang von 1 Milliarde Dollar an, um die in den vergangenen Jahren durch Aktienzuteilungen aus Beteiligungsplänen für Manager und Mitarbeiter entstandene Verwässerung zu stoppen. Die Kapitalkraft des Konzerns bleibe auch nach diesen Massnahmen sehr robust, betonte Greco. Dennoch sinkt die Messlatte, die sich der Italiener in Form einer operativen Eigenkapitalrendite von 12 Prozent selber gesetzt hatte.

Wirbelstürme belasten Gewinn

Diese Marke erreichte er im Berichtsjahr knapp mit 12,1 Prozent, obschon das Ergebnis durch diverse Sonderereignisse belastet wurde. Die schadenreiche Wirbelsturmsaison, welche die Assekuranzbranche weltweit rund 100 Milliarden Dollar gekostet haben dürfte, schlug bei der Zurich, wie schon früher mitgeteilt, mit 700 Millionen Dollar zu Buche. Ohne solche und andere «Sondereffekte» wäre der operative Gewinn um 6 Prozent gestiegen, sagte Greco. Tatsächlich ist er aber um 15 Prozent gefallen. Eine Mitschuld trägt gemäss dem Italiener auch die anhaltend intensive Preiskonkurrenz im Sach- und Schadengeschäft. Auch nach den Wirbelsturmschäden in den USA seien die Tarife nicht genügend angestiegen. Inzwischen zeichnet sich aber offenbar ein Trend zu stärker steigenden Prämien ab. Auch deshalb rechnet Greco, dass die Zurich im laufenden Jahr deutlich mehr im Schadengeschäft verdienen wird.

Greco macht den Preiswettbewerb auch verantwortlich dafür, dass die Zurich in ihrer Flaggschiffsparte den Umsatz im Berichtsjahr erneut bloss um 1 Prozent (in Lokalwährungen) steigern konnte und damit weit hinter dem Wirtschaftswachstum in ihren Schlüsselmärkten zurückblieb. Nicht nur die Zurich sehnt sich danach, dass die Inflationsraten in ihren Märkten wieder stärker steigen, sodass sich höhere Preise leichter durchsetzen lassen.

Angesprochen auf die jüngste Börsenkorrektur, die von aufkeimenden Befürchtungen über eine rasche Zunahme der Teuerung ausgelöst wurde, meinte Greco: «Davon sehen wir bislang rein gar nichts.» Die Inflationsraten lägen in allen Industrieländern nach wie vor deutlich hinter den Zielwerten der Notenbanken zurück. «Positiv ist immerhin, dass sie nicht wieder zu sinken scheinen.»