Was halten Sie von der Idee, das Generalabonnement GA auf 4250 Franken zu verteuern?

Ueli Stückelberger: Zuerst will ich klarstellen, dass man nicht isoliert eine mögliche Massnahme diskutieren kann. Wir wollen einen bezahlbaren öffentlichen Verkehr. Das ist die Kernaussage. Die Branche macht sich dauernd Überlegungen zum Sortiment, dies muss sie auch. Zu Recht wird auch breit gedacht. Dabei muss am Schluss das Gesamtpaket stimmen. Grundsätzlich wollen wir den öffentlichen Verkehr attraktiver machen. Die Rückmeldungen der Kunden zeigt uns, dass von einigen vor allem der volle Preis einer Zugfahrt als zu teuer empfunden wird. Das GA ist trotz Preiserhöhungen in der Vergangenheit beliebter als je und die Nachfrage steigt weiter.

Also ist es in Ordnung, wenn man das GA teurer macht und dafür das einzelne Billett billiger?

Ich kann nur sagen, dass das Preis-/Leistungsverhältnis des GA phänomenal ist. Man bekommt für unter 4000 Franken die volle Mobilität, also den Gegenwert für die Kosten eines Autos und dessen Unterhalt. Wie gesagt kommt es auf das Gesamtpaket an. Natürlich würde niemals jemand sich je beschweren, dass das GA zu billig ist. Aber die hohe Nachfrage zeigt, wie attraktiv das Angebot ist.

Die Jugend demonstriert für Massnahmen gegen den Klimawandel. Wer fliegt, wird kritisiert. Das ist doch der falsche Moment, um die Ticketpreise für die treuesten Kunden zu erhöhen.

Grundsätzlich ist Fliegen viel zu billig und der Zug tatsächlich die perfekte Alternative. Es sind aber die CO2-verursachenden Verkehrsmittel, die teurer werden müssen. Unser Fokus muss darauf liegen, den öffentlichen Verkehr durch Verbesserungen des Angebots attraktiver zu machen, etwa bessere Verbindungen ins Ausland oder ein einfacherer Ticketbezug.

Sie sprechen von einem Gesamtpaket. Welche Massnahmen sind denn als Ausgleich etwa für den wegfallenden Studentenrabatt ab 25 Jahren auf dem Tisch?

Die Diskussionen sind in vollem Gang. Zu einzelnen Massnahmen sage ich nichts. Am Schluss haben die Organe von CH Direct zu entscheiden. Einig ist man sich aber, dass man die Jugend für den öffentlichen Verkehr gewinnen will. Zudem soll das Freizeitangebot ausgebaut werden.

Was ist mit dem Senioren-GA. Wird das auch infrage gestellt?

Nein, das steht nicht im primären Fokus. Wir möchten ja nicht eine grosse Kundengruppe einfach verärgern.

Laut dem bekannt gewordenen Papier sollen die intensiven Nutzer mehr bezahlen. Geht es nun Richtung Mobility Pricing? Soll also für die tatsächlich gefahrene Strecke bezahlt werden?

Ein umfassendes Mobility Pricing lehnen wir ab. Wir stehen zu den beliebten Abonnements wie GA, Halbtax und die Verbundsabonnemente. Es darf nicht sein, dass Pendler und Schüler bestraft werden. Wir setzen auf freiwillige Massnahmen. Umgekehrt müssen wir die Nutzer durch Rabatte auf weniger gut ausgelastete Verbindungen umlenken. Das passiert jetzt schon durch das Angebot der Spar-Billette.

Mitarbeiter des öffentlichen Verkehrs profitieren von Gratis-GAs. Können sie das Privileg behalten?

Der Verband öffentlicher Verkehr und die Branche stehen zu den Fahrvergünstigungen fürs Personal. Überlegungen zum Sortiment haben mit den Fahrvergünstigungen fürs Personal keinen direkten Zusammenhang.