An einer Veranstaltung der französischen Grossbank BNP Paribas in Zürich enthüllte der weltgrösste Reise-Detailhändler Dufry gestern seine Pläne für ein neues Bezahlsystem. Das System wurde zusammen mit dem Londoner Start-up MishiPay in den vergangenen Monaten entwickelt. Kunden sollen dereinst mithilfe einer App in den über 2000 Läden, die Dufry weltweit betreibt, bezahlen können, ohne an der Kasse Schlange stehen zu müssen.

Dazu wird der Strichcode des gewählten Artikels über das Smartphone eingelesen. Der Clou dabei: Mit dem Bezahlen des Produkts wird gleichzeitig der Sicherheits-Chip deaktiviert. So kann der Kunde die Ware ohne Gang an die Kasse mitnehmen.

Vorerst nicht in Duty-Free-Läden

Am Flughafen Zürich soll das System ab Januar getestet werden, bestätigten sowohl der Mitgründer und CEO von MishiPay, Mustafa Khanwala, als auch der Dufry-Informatik-Chef David Briskman. Vorerst komme das System in Läden zur Anwendung, die noch nicht im Zollfrei-Gebiet sind (sogenannte «Duty-Pay-Läden»), da es dort weniger regulatorischen Hindernisse zu überwinden gebe, erklären die beiden involvierten Parteien.

Das Unternehmen MishiPay wurde im August 2015 gegründet. Programmiert wird die Bezahlapp sowohl in London als auch im indischen Bangalore, wie Khanwala erklärt. Auch andere Läden seien daran, Erfahrungen mit dem System zu machen, darunter auch der deutsche Unterhaltungselektronik-Riese Mediamarkt und ein französischer Detailhandelsriese, so Khanwala.

Mit diesem Schritt geht Dufry weiter als andere Detailhändler, die neue Bezahlsysteme anbieten, jedoch immer noch eine physische Präsenz beim Bezahlen an einer Kasse verlangen. Ob der Pilotversuch gelingt, ist laut Dufry-Mann Briskman noch offen. Seiner Meinung nach sei es auch im Bereich der Zollfreiläden nur noch eine Frage der Zeit, bis ein solches System eingeführt werde.

Eine neue Generation von Kunden verlange das. Das heisse jedoch nicht, dass die Kassen abgeschafft würden. Neben der neuen «kassenlosen» Bezahlapp stellte Dufry auch ein neues Kundenbindungssystem vor, das vom französischem Start-up Gowento entwickelt wurde.

Die Zusammenarbeit mit den beiden Start-ups wurde von der Hausbank von Dufry organisiert, wie Patrick Voegeli von BNP Paribas erklärt. Im Vorfeld wurden rund 60 mögliche Start-ups ermittelt, die für Dufry für eine Zusammenarbeit infrage kämen. Anschliessend wurde gemeinsam mit den Verantwortlichen von Dufry aussortiert. Das Vermitteln von Start-ups geschieht sonst eher durch Berater oder spezialisierte Investoren. Mit dem Dufry-Projekt betritt BNP also selber Neuland.