Im Wettlauf um die guten Standorte für Elektroauto-Ladestationen will das Liestaler Energieunternehmen Elektra Baselland (EBL) einen dicken Pflock einschlagen. In Pratteln soll Europas grösste E-Ladestation entstehen, integriert in ein Innovationszentrum für Elektromobilität: 280 Ladesäulen, davon im Endausbau 60 Schnelllader, sogenannte Supercharger.

«Ursprünglich dachten wir an Ladestationen in jedem Dorf», erklärte der abtretende EBL-CEO Urs Steiner am Rande der Medienkonferenz, an der das Konzept für den «Swiss E-Mobility Hub» vorgestellt wurde. Doch die E-Mobilisten würden ihre Batterien vor allem zu Hause oder an der Arbeit laden. «Was es dagegen braucht, sind Ladestationen an den Fernverkehrs-Achsen», ergänzte Tobias Andrist, EBL-CEO ab Juli. Das Rennen, sich dafür die besten Standorte zu sichern, habe bereits begonnen.

«Nur für Ladestationen würde der Kanton das Land nicht hergeben», betonte die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektorin Sabine Pegoraro (FDP). Seit Jahren hofft man beim Kanton, das Entwicklungsgebiet Salina Raurica in eine wertschöpfungsintensive Wirtschaftszone zu verwandeln. Das nun angedachte Innovationszentrum sieht der kantonale Standortförderer Thomas Kübler deshalb als «Brückenkopf und Kick-off für die Entwicklung von Salina Raurica Ost zu einem Kompetenzzentrum für E-Mobility und IT.»

Nur erneuerbare Energie

Stand heute hat der Kanton das Land an der Autobahn mit täglich 130 000 Fahrzeugen und die EBL das Konzept. Auf dieser Basis ist das Areal für die EBL sowie ein weiteres Unternehmen aus der E-Mobilitäts-Branche, dessen Namen man noch nicht nennen wollte, reserviert. Ein Preis ist noch nicht festgelegt.

Läuft alles nach Plan, soll 2023 neben dem heutigen EBL-Holzkraftwerk an der bis dahin verlegten Rheinstrasse ein neungeschossiger Bau mit 23 000 Quadratmeter Nutzfläche stehen: im Parterre die Schnelllader, darüber Ausstellungsflächen und Servicestationen der Elektroauto-Produzenten. Nach zwei weiteren Stockwerken mit den Normal-Ladesäulen folgt ein Gewerbegeschoss mit Ateliers für Produktion und Forschung. Hier und in den darüber liegenden Räumen für innovative Start-ups wird sich die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) einklinken. Ruedi Hofer, FHNW-Direktor für Architektur, Bau und Geomatik, betonte, die Zukunft gehöre selbstfahrenden E-Mobilen.

Den Strom für die Ladestationen sollen die Solarzellen auf den Dächern des Hubs und des benachbarten Coop-Verteilzentrums sowie der ARA Pratteln liefern; im Winter ergänzt durch das Holzkraftwerk der EBL, das diese dafür weiter ausbauen will. Zwischengelagert wird der Strom in Batterien im Keller. Zudem soll das Kraftwerk Augst für den Spitzenbedarf rund drei Prozent seiner Jahresproduktion liefern – alles 100 Prozent erneuerbare Energie.

Der Weg dahin ist noch lang: Die EBL will das Gebäude nicht selbst bauen, sondern sucht einen Generalunternehmer sowie Investoren. Diese sollen sich den vom Kanton und der EBL formulierten Rahmenbedingungen unterwerfen und das Konzept umsetzen. Die EBL sieht ihre Rolle als Projektentwicklerin und Energielieferantin. Weder ist bis jetzt die Finanzierung ausgehandelt – das Investitionsvolumen soll 50 bis 70 Millionen Franken betragen –, noch hat man sich mit dem Bund abgesprochen, bei dem man eine Roadmap zur Förderung der Elektromobilität erarbeitet. Es sei Aufgabe des Bundesamts für Strassen (Astra), «für die Grundlagen für Schnellladestationen auf dem Nationalstrassennetz zu sorgen», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Zum E-Mobility Hub in Pratteln meint er: «Dieses Projekt ist sehr begrüssenswert.»