Herr Riedener, mutiert Emmi in der Schweiz zum Getränkehersteller?

Urs Riedener: Nein. Wir verzeichnen aber steigende Umsatzzahlen bei den Milchmischgetränken, die wesentlich dazu beitragen, dass wir auch auf dem Heimmarkt unter dem Strich ein Umsatzplus fürs erste Halbjahr in den Büchern haben. So ist beispielsweise in Ostermundigen grad dieser Tage der einhundertmillionste Caffè Latte in diesem Jahr vom Band gerollt.

Durch diesen Erfolg hat Emmi mittlerweile Rivella vom Platz drei der Softdrink-Anbieter im Detailhandel verdrängt. Besteht in dem Geschäftsfeld weiteres Entwicklungspotenzial?

Der Vergleich zeigt in erster Linie die Bedeutung unserer Produkte Caffè Latte oder Energy Milk. Wir können und dür- fen uns hier an den ganz grossen Mar- ken messen.

Die Schweizer Umsätze mit Käse sanken hingegen im ersten Halbjahr um 10 Millionen Franken. Geht der Rückgang auf Kosten von Volumen oder Preis?

Der Rückgang ist teilweise mit dem Verkauf eines Teils des Handelswarengeschäfts an Coop begründet. Entsprechende Effekte sind in den Segmenten Käse, Frischkäse sowie übrige Produkte und Dienstleistungen zu finden. Tatsache ist aber auch, dass wir im Vergleich zum guten ersten Halbjahr 2017 im Inland weniger Käse verkauft haben.

Wie geschmiert läuft das Käsegeschäft in den USA. Dies führt gar dazu, dass der Greyerzer den Emmentaler als meistexportierter Käse der Schweiz ablösen wird. Haben Sie die Amerikaner auf den Gruyère-Geschmackgebracht?

Tatsächlich ist Emmi massgeblicher Treiber hinter dieser Entwicklung. Dank den strategischen Akquisitionen der letzten Jahre haben wir ein stabiles Verkaufsnetz aufbauen können. Über diese Kanäle laufen nun auch die Exporte aus der Schweiz.

Aber beim Emmentaler harzt es?

Der Emmentaler unterliegt in den USA einer stärkeren inländischen Konkurrenz. Es gibt sehr viele US-Produzenten die einen «Swiss Cheese» herstellen und unseren Emmentaler konkurrieren. Die Zahlen für Emmentaler sind insgesamt besser als auch schon.

Gemäss dem Dachverband der Schweizer Milchproduzenten sind die Milcheinlieferungen jüngst deutlich gesunken, dies infolge der prekären Futterversorgung und hoher Temperaturen. Rechnen Sie nicht mit einem Versorgungsengpass?

Im ersten Halbjahr stiegen die Einlieferungen bei uns im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent. Für das zweite Halbjahr rechnen wir mit Minderlieferungen von bis zu 2 Prozent. Wir werden im laufenden Jahr somit insgesamt mehr Milch verarbeiten als 2017.

Was halten Sie von der Forderung des Bauernverbandes nach einem Solidaritätsbeitrag wegen der Trockenheit?

Wir haben Sympathie für diverse Massnahmen. Abzuwarten bleibt, wie sich das Wetter noch entwickeln wird und wie viel Futter effektiv an Lager ist. Dass politisch sofort Forderungen gestellt werden, ist klar. Wichtig aber wird sein, dass die ganze Branche die Lage fortlaufend beurteilt.

Zeigen eigentlich die Milchpackungen der Emmi Kühe mit Hörnern?

Die Hornkuhinitiative ist sympathisch. Das Thema Nachhaltigkeit als Ganzes ist uns aber wichtiger.

Über die Hörner stimmt die Schweiz im November ab. Bereits im September befinden wir über Fair-Food- und Ernährungssouveränitätsinitiative.

Die Initiativen sind sicher gut gemeint, führen aber zu noch mehr Regulierung in der Land- und Ernährungswirtschaft. Dabei kämpft die Branche selbst seit Jahren für eine Entkoppelung von der Politik. Sicher ist, dass eine Annahme der Initiativen das Sortiment schmälern und die Preise für die Konsumenten erhöhen würde. Jemand muss für die zusätzliche Bürokratie bezahlen. Es besteht zudem die Gefahr, dass der Einkaufstourismus wieder zunehmen würde. Die Konsumenten lassen sich nicht bevormunden, ihnen steht heute – Markt sei Dank – eine grosse Auswahl von Nahrungsmitteln mit diversen Nachhaltigkeitsstandards zur Auswahl.