Sollte dies nicht geschehen, fassen sie Kampfmassnahmen ins Auge, zum Beispiel auch einen Streik.

Der Ton wird schärfer unter den Mitarbeitenden von Tamedia Romandie: Nachdem die Zürcher Mediengruppe am Mittwochabend ihren Entscheid bekräftigt hatte, die gedruckte Ausgabe der Westschweizer Tageszeitung "Le Matin" ab dem 21. Juli einzustellen, macht sich bei den Mitarbeitenden Frust, aber auch Kampfeslust breit.

Die Vorschläge des Redaktionspersonals sowie der Gewerkschaften Syndicom und Impressum zur Rettung der Printausgabe von "Le Matin" wurden von Tamedia zurückgewiesen. Die von den Mitarbeitenden vorgeschlagenen Lösungen seien bereits geprüft und in den vergangenen Jahren verworfen worden, hiess es bei Tamedia.

Tamedia will nicht verkaufen

Vor allem aber wolle man den "Le Matin" nicht verkaufen, sondern als solide Online-Marke weiterentwickeln. Die Einstellung der Printausgabe führt nach Angaben von Tamedia zu 36 Kündigungen, davon 22 in der Redaktion, und zu vier Pensenreduktionen.

Die ersten Kündigungen wurden am Donnerstagmorgen ab 09.00 Uhr individuell angekündigt. Am späten Vormittag trafen sich Redaktionsmitglieder mit den Gewerkschaften zu einer Vollversammlung.

"Letzte Chance"

Rund hundert Mitarbeitende beschlossen mit grosser Mehrheit, "dem Dialog eine letzte Chance zu geben", wie Patricia Alcaraz, Regionalsekretärin der Mediengewerkschaft Syndicom, bekannt gab.

Eine weitere Redaktionsversammlung soll am nächsten Dienstagmittag stattfinden. Bis dahin verlangt das Personal, die Kündigungen zu stoppen und die entlassenen Mitarbeitenden wieder einzustellen. Ausserdem soll Tamedia an den Verhandlungstisch zurückkehren. "Wir wollen nicht, dass unser Alternativprojekt untergeht. Es gibt mögliche Käufer, die lokal verankert sind und es ernst meinen", sagte Dominique Diserens, Zentralsekretärin von Impressum Romandie.

Die Mitarbeitenden hoffen auf die Unterstützung der Waadtländer und Genfer Kantonsregierungen, die Druck auf die Geschäftsleitung von Tamedia in Zürich machen sollen. Die kantonale Schlichtungsstelle, bei der ein Verfahren im Gang ist, werde über die gesamte Situation informiert, so Diserens.

Wut und Trauer

Die Ankündigung der individuellen Kündigungen löste bei den Mitarbeitenden "Wut" und "Trauer" aus. Anfang Nachmittag zogen rund hundert Personen protestierend vor die Gebäude, in denen verschiedene Tamedia-Redaktionen untergebracht sind, darunter die Redaktion der Westschweizer Tageszeitung "24 heures".

Solidarisch mit den betroffenen Mitarbeitenden zeigten sich etwa die Waadtländer SP-Nationalrätin Rebecca Ruiz und Nationalrat Samuel Bendahan (SP(VD). Nach dem "Le Matin" befürchten die Mitarbeitenden von Tamedia Romandie weitere Kündigungswellen bei anderen Publikationen.