Einige Novartis-Aktionäre dürften am Dienstag erschrocken sein. Die Titel verloren auf einen Schlag über 10,6 Prozent. Der Grund liegt jedoch nicht etwa in einem schmerzhaften Forschungsflop, sondern in der Abspaltung des Augenheilmittelsparte Alcon. Das Unternehmen wurde am Dienstag erstmals an der Börse gehandelt. Unter dem Strich ist die Abtrennung ein Gewinn für die Novartis-Aktionäre. Sie haben für fünf Aktien des Pharmakonzerns einen Alcon-Titel erhalten. Rein technisch gesehen ist dies finanziell ein neutraler Vorgang. Doch Alcon scheint an der Börse einen gewissen Bonus zu geniessen. Der Börsenwert der neuen Firma ist höher als der Verlust, den die Novartis-Aktionäre mit der Abspaltung erlitten haben. Konkret beträgt die Marktkapitalisierung von Alcon 28,4 Milliarden Franken. Der Firmenwert von Novartis an der Börse sank dagegen «nur» um 25,3 Milliarden Franken. Damit resultiert ein Zugewinn von 3,1 Milliarden.

Julius Bär im SMI verdrängt

Alcon ist somit der grösste Neuzugang an der Schweizer Börse seit neun Jahren. Dank der Grösse der Firma, die auf Augenchirurgie und Kontaktlinsen fokussiert ist, wurden die Aktien auch gleich in den Swiss Market Index (SMI) aufgenommen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Genf verdrängt die Bank Julius Bär aus dem wichtigsten Schweizer Börsenbarometer. Um einen klassischen Börsengang handelt es sich bei Alcon jedoch nicht. Stattdessen wurde den Novartis-Anlegern die Alcon-Aktien einfach ins Depot gebucht.

Nun da die beiden Firmen getrennte Wege gehen, konzentriert sich Novartis erstmals in seiner Geschichte einzig auf die Erforschung und Entwicklung von Medikamenten. Dazu gehören auch die Generika der Sparte Sandoz. Ob sich die Basler von diesem Geschäft ebenfalls trennen, bleibt ungewiss. Gerüchte über einen Verkauf gibt es seit einiger Zeit. Sowohl Präsident Jörg Reinhardt als auch Konzernchef Vas Narasimhan sagen lediglich, dass dies zurzeit kein Thema sei. «Ich kann nicht versprechen, was die Zukunft in drei oder fünf Jahren bringt. Doch zurzeit liegt der Fokus darauf, Sandoz schlagkräftiger zu machen», sagte Narasimhan der «Financial Times».

Gleichzeitig betonte der Amerikaner, dass er künftig mehr Wert auf die Aktienrendite legen will. Diese Kennzahl enthält neben der reinen Kursentwicklung auch die Dividendenzahlungen. Er wolle mit Novartis innerhalb der Pharmabranche in der oberen Hälfte sein – und dies über einen längeren Zeitraum von fünf bis zehn Jahren.