Wer wird Nachfolger von Susanne Ruoff, die unter massivem Druck im Zuge der Postauto-Affäre den Hut als Post-Chefin nehmen musste? Die Frage bleibt offen, doch klar ist nun: Ulrich Hurni wird es nicht. Der Chef des Briefpost-Geschäfts übernahm die Leitung des gelben Riesen im Juni ad interim. Am Donnerstag nahm er zum ersten Mal vor einem kleinen Journalistenkreis Stellung zu seiner Zukunft und seiner bisherigen Bilanz.

Derzeit sind Headhunter-Firmen auf der Suche nach dem idealen Post-Chef oder der idealen Post-Chefin – im In- und Ausland. Zu den inländischen Favoriten zählte auch Hurni, Ruoffs Stellvertreter und Chef der Sparte Post Mail. Er führt die CEO-Funktion seit Ruoffs Rücktritt in Personalunion. Doch Hurni winkt ab. „Ich war nie und werde nie Kandidat“, sagt der Fribourger. Auch als Ruoff zur Konzernchefin ernannt wurde, habe er sich nicht beworben. „Ich wollte nie Post-Chef werden.“

Als Stellvertreter Ruoffs sei es naheliegend gewesen, dass er die CEO-Rolle ad interim ausführe. Dass er diese Aufgabe temporär gerne wahrnehme, habe er dem Verwaltungsratspräsidenten, dem Fribourger Urs Schwaller, so mitgeteilt. „Ich mache diese Aufgabe solange es mich braucht und ein neuer Chef gefunden ist.“ Ziel sei nach wie vor, dass bis Ende Jahr der Mann oder die Frau erkoren sei. „Bis zum Stellenantritt kann es aber noch einige Monate dauern.“

Hurni will also nicht. Doch hätte er überhaupt gedurft? Der laut Branchenkennern intern geschätzte 60-Jährige mit langer Post-Vergangenheit ist in der Postauto-Affäre nicht unbelastet, wie kürzlich das „SRF“ mit Bezug auf den 200 Seiten langen Untersuchungsbericht schrieb. Demnach standen in einer Aktennotiz vom 17. April 2013 vier Varianten zur Debatte, um Gewinne bei der Postauto-Tochter vor dem Bundesamt für Verkehr zu verstecken. Diese Aktennotiz sei an die ganze Konzernleitung gegangen – und damit auch an Ulrich Hurni.

Auf Frage der „Nordwestschweiz“, was diese Vorbelastung mit seinem Entscheid zu tun hat, sagt Hurni: „Ich habe diese Aktennotiz nie erhalten. Diese Information im Bericht ist falsch.“ Er sei einzig an der Konzernleitungssitzung gewesen, wo über die neue Postauto-Holdingstruktur „Impresa“ entschieden wurde. Dabei ging es darum, Gewinne durch Transferpreise in Tochtergesellschaften zu sichern. Fühlt er sich also für das Postauto-Debakel nicht verantwortlich? „Als Chef der Sparte Post Mail war es nicht meine Aufgabe, die Betriebsbuchhaltung eines Nachbarbereichs zu kontrollieren.“ Hurni spricht von einem „Fehler im System".