General Electric-Chef John Flannery sprach am Montag vor Investoren in New York. Diese hatte sich Massnahmen versprochen, mit denen Flannery den Absturz an der Börse würde stoppen können. Doch sie wurden enttäuscht: Der Kurs gab deutlich nach. GE hat seit Ende 2016 an der New Yorker Börse rund einen Drittel seines Börsenwertes verloren. Ein US-Vorzeigeunternehmen im freien Fall.

Im Fokus stand vor allem die Energiesparte von GE, zu der auch die Aargauer Standorte in Birr, Oberentfelden und Baden gehören. Der neue Chef dieser Sparte, Russell Stokes, will nun vor allem eines: Ein hartes Sparprogramm, «Wir wollen unser Geschäft auf die richtige Grösse herunterbringen.»

In konkreten Zahlen ausgedrückt sieht das Sparprogramm so aus. Von 2017 auf 2018 sollen die «strukturellen Kosten» von 8 auf 7 Milliarden Dollar gedrückt werden. Bis 2019 soll es dann nochmals um ungefähr 10 Prozent runter gehen, auf noch 6,3 Milliarden. In zwei Jahren müssen also über 1,5 Milliarden weg – fast ein Viertel der aktuellen Kosten.

Stokes kündigte auch an, den «globalen Footprint» der Energie-Sparte anpassen zu wollen. Sprich ihm ist die Zahl der lokalen GE-Produktionsstätten zu hoch. «Die Grösse unseres globalen Footprints ist eine Sorge, wenn man sich die aktuelle Marktschwäche vor Augen hält», sagte Stokes. Insbesondere weil einige der Produktionsstätten nicht ausreichend ausgelastet seien.

Erwartungen nicht erfüllt

Die Schweizer Gewerkschaften befürchten bereits, dass diese Sparmassnahmen den hiesigen Standort mit seinen hohen Kosten überproportional treffen könnte. Im schlimmsten Falle könne GE sein komplettes Produktions- und Servicegeschäft in der Gas- und Wasserkraft an einem anderen europäischen Standort konzentrieren, sagte ein Gewerkschafter.

GE-Chef Flannery gab sich an dem Anlass entschlossen. Der Ton änderte sich jedoch beim Thema Alstom. Flannery klang betrübt, fast traurig als er über das Geschäft sprach, das GE vor zwei Jahren vom französischen Konzern Alstom übernommen hat. Dazu zählen auch die heutigen GE-Standorte in der Schweiz. Es habe damals gute Gründe für den Kauf gegeben.

«Doch der Markt hat sich klar schlechter entwickelt, als wir es damals erwartet hatten.» So habe sich der Markt verschoben in Richtung der erneuerbaren Energien, was dem Gasturbinen-Geschäft geschadet habe. «Alstom hat die Erwartungen nicht erfüllt.» Nun ihm und seinem Team nur noch eines: «We will work the hell out of this». Also, auf Deutsch ungefähr: man werde wie der Teufel daran arbeiten.

GE selber machte noch keine Angaben dazu, was die Sparmassnahmen für die Schweizer Standorte bedeuten. Ein Sprecher sagte, man informiere, wenn es konkrete Nachrichten gebe.

Die Angestellten sind derweil im Ungewissen. Gemäss einer internen Quelle ist das Ausmass des geplanten Stellenabbaus intern unklar. Weiterhin gibt es Informationen, wonach GE einen Abbau von 1300 Mitarbeitern plant. Ein kleinerer Abbau sei ebenfalls möglich, indessen auch ein noch grösserer. Am 16. November soll es eine interne Mitarbeiterinformation geben. Mit detaillierten Informationen rechnet man intern mittlerweile nicht mehr vor Anfang Dezember. Etwa darüber, welche Stellen gestrichen oder welche Standorte geschlossen werden.

Für den 20. November wurden die Angestelltenorganisationen eingeladen. Auch die Angestelltenverbände wissen derzeit nicht, was sie von dieser Sozialpartner-Information konkret erwarten sollen. In der Einladung ist nur vermerkt, es werde weitere Erläuterungen geben zum Investorentag. Die Gewerkschaften sind zumindest erleichtert, dass GE gemäss Ankündigung immerhin festhalten will am Energiegeschäft und insbesondere an den Gasturbinen. Flannery will sparen, aber die Gasturbinen nicht verkaufen.

Auch der deutsche Konzern Siemens hat angekündigt, in seinem Energiegeschäft die Kosten radikal herunterfahren zu müssen. Im Gegensatz zu GE hat Siemens jedoch die Öffentlichkeit bislang sehr klar und offen informiert. Siemens Chef Joe Kaeser erklärte kürzlich den Wandel im Markt mit einer Verschiebung von konventionellen Energieträgern zu erneuerbaren; von zentraler Produktion zu dezentraler.

Tempo und Ausmass dieser Umwälzungen beschrieb Kaeser anhand des Marktes für Grossturbinen. 2010 habe die Branche noch mit jährlich 300 grossen Gasturbinen gerechnet. Doch der Markt habe sich halbiert. 2011 waren es 249 Gasturbinen, 2017 noch 122. Prognosen zufolge würden es in den nächsten Jahren bloss 110 sein.

«Die Überkapazitäten sind dramatisch», fasste Kaeser den Zustand der Branche zusammen. «Und das hat gravierende Folgen für unsere Fertigung und für unser Servicegeschäft.» Siemens müsse seine Kapazitäten anpassen, auch wenn dies schmerzhafte Einschnitte bedeute. Am 16. November wird Siemens die Arbeitnehmervertreter informieren.