Seit 140 Jahren ist das Familienunternehmen Hug auf Backwaren spezialisiert. Im Interview sprechen die Brüder Werner und Andreas Hug über die Herausforderungen des Guetzliherstellers aus Malters (LU) und sagen, wieso es keine kalorienreduzierten Guetzli geben wird, trotz Trend zu gesundem Essen.

Haben Sie die selbst gemachten Weihnachtsgebäcke schon fertig?

Andreas Hug: Ich backe selber nicht, meine Frau schon. Wir haben noch immer Diskussionen darüber, was ein richtiges Mailänderli ist.

Werner Hug: Dieses Jahr habe ich das erste Mal seit Jahren mitgeholfen und mit den Enkelkindern gebacken.

Da wird also schon die nächste Hug-Generation mit dem Guetzli-Virus angesteckt?

Werner Hug: Ja, natürlich.

Das wäre dann die sechste Hug-Generation. Sie beiden sind die vierte. Wann kommt die nächste Generation ans Ruder?

Werner Hug: In fünf Jahren muss die Übergabe über die Bühne sein. Für den anstehenden Wechsel haben wir eine Family Governance aufgebaut. Dort ist vieles klar geregelt. In unserer Generation waren es vier Geschwister, die wir haben auszahlen müssen. Das ging ungefähr 10 bis 15 Jahre, ist aber gut über die Bühne gegangen. Aber die jetzige Übergabe wird komplizierter, auch weil wir gewachsen sind.

Zu diesem Wachstum gehört auch der Kauf eines anderen Familienunternehmens: Wernli. Nun schliessen Sie den traditionellen Produktionsstandort. Zögert man da etwas mehr?

Werner Hug: Ja. Alle Produkte haben ja auch eine gewisse Heimat. Und die Wernli-Produkte sind in Trimbach entwickelt worden. Auch wenn das der Konsument vielleicht früher noch etwas mehr realisiert hat als heute, wo alles anonymisierter ist. Wir wissen ja nicht, wie die Kunden reagieren, eine Ungewissheit ist schon da.

2015 sprach man noch von Investitionen in den Standort. Warum wurde der Schritt überhaupt nötig?

Andreas Hug: Die Investitionen werden auch getätigt und dann die gesamte, optimierte Produktionsanlage nach Malters gebracht.

Werner Hug: Als wir Wernli aufgekauft haben, haben wir gewichtsmässig gegen 30 Prozent der dort produzierten Ware exportiert. Vor allem auch Drittmarken, für ausländische Grossisten. Nach dem ersten Frankenschock haben wir gemerkt, dass dieses Geschäft nicht mehr rentiert. Die Verträge wurden bei 1.50 Franken abgeschlossen. Als es dann mit dem Euro runterging, mussten wir reagieren. Darum wurde auch die Produktion in Trimbach halb leer.

Andreas Hug: Wir haben dann verschiedene Szenarien angedacht. Dass die Zusammenlegung die betriebswirtschaftlich beste Lösung ist, hat uns selber ein wenig überrascht. Wir haben eher an eine Technologieaufteilung gedacht. Also Guetzli in Trimbach, Darvida und die Tartelette-Böden für die Gastrosparte in Malters.

Wie hilft der etwas geschwächte Franken Ihrem Unternehmen?

Andreas Hug: Der Franken ist auch jetzt noch überbewertet. Aber es gibt ja auch eine andere Seite, so etwa beim Verpackungsmaterial, bei welchem der Euro-Kurs für unsere Lieferanten eine wichtige Rolle spielt. Da ist es besser, wenn der Kurs tiefer liegt. Für uns wäre 1.20 bis 1.25 Franken gut. Dann wäre der Franken wohl auch richtig bewertet.

Anfang Jahr haben Sie ein leichtes Wachstum prognostiziert. Wie sieht es heute aus?

Andreas Hug: Umsatzmässig haben wir einen Vorsprung auf das vorige Jahr, dies in der Schweiz und im Export. Vor allem mit Darvida erzielen wir gute Umsätze. Das Wachstum liegt im zweistelligen Prozentbereich.

Darvida ist im Hause Hug als gesunde Marke positioniert. Hängt das Wachstum damit zusammen?

Werner Hug: Ja. Im Gesamtmarkt der sogenannten Dauerbackwaren sieht man das deutlich. Die gesunden und nicht-süssen Backwaren wachsen stärker als die anderen. Seit etwa zehn Jahren geht es immer aufwärts. Die süssen Backwaren stagnieren hingegen.

Dann müssten Sie doch eigentlich die Guetzli gesünder machen?

Andreas Hug: Das kann man natürlich. Aber das funktioniert besser mit Darvida. Wernli und Hug sind beides Genussmarken. Und wenn Genuss, dann richtig.

Dann haben Sie nicht vor, plötzlich die Sablés von Wernli auf die Hälfte der Kalorien zu reduzieren?

Andreas Hug: Nein. Aber das ist ein grosses Thema. Jedoch empfinden wird die Idee, dass der Bundesrat durch die neue Ernährungsstrategie bei Zucker und Fett eingreifen will, als den falschen Weg. Die Konsumenten sind mündig genug, um selber zu entscheiden, was für sie richtig ist. Und dass es in einem Guetzli Zucker drin hat, ist ja jedem klar.

Ein anderes Thema, bei dem Hug direkt von der Politik abhängig war, ist die Swissness-Vorlage. Warum haben Sie sich darum bemüht, der Swissness zu genügen?

Andreas Hug: Wir haben abgewogen, ob wir mitmachen wollen oder nicht. Wenn wir nicht mitgemacht hätten, hätten wir die Verpackungen anpassen müssen. Das hätte auch gekostet. Und jetzt kostet halt die Umsetzung der Swissness-Deklaration.

Werner Hug: Das Schweizer Kreuz ist vor allem im Ausland ein Verkaufsargument. Aber es ginge auch anders. Wenn es uns zu bunt wird mit den Auflagen, dann machen wir nicht mehr mit und müssen halt anders kommunizieren.

Wollen Sie denn expandieren?

Andreas Hug: In der Schweiz haben wir eine sehr starke Stellung, ein Wachstum ist natürlich immer noch möglich, aber das Ausland ist attraktiver.

Wo sind die Wachstumsmärkte?

Werner Hug: Der grösste Markt dafür sind die USA. Dort lancieren wir jetzt gerade eine Neuheit. Auch im Fernen Osten haben wir gewisse Erwartungen und wollen Fuss fassen, mit neuartigem Gebäck, das eher die französische Patisserie-Art widerspiegelt.

Ihre Produkte, gerade die süssen, bauen auf Butter auf. Keine Angst vor einem Butterengpass?

Werner Hug (lacht): Da gibts ja einen, haben sie gesagt.

Andreas Hug: Das ist ein wenig ein taktisches Manöver der Bauern.

Werner Hug: Weltweit sind die Butterpreise stark angestiegen. Im Fernen Osten zum Beispiel muss man plötzlich den doppelten Preis bezahlen. Ähnlich auch in Europa. Weil die Schweiz so abgeschottet ist, ist die Erhöhung in der Schweiz nicht so zu spüren. Vor allem weil der Preis schon so hoch ist.

Andreas Hug: Momentan zahlen wir in der Schweiz das Doppelte für die Butter. Vor einem Jahr war es dreimal mehr. Aber das ist nicht, weil die Butter in der Schweiz günstiger geworden ist, sondern in der EU aufgeschlagen hat.

Unsere Weihnachtsguetzli sind also nicht in Gefahr?

Andreas Hug (lacht): Nein, die sind ja schon alle produziert. Und wahrscheinlich auch bald gegessen. Momentan haben wir genug Butter. Und der Butterberg kommt wieder, so sicher wie das Amen in der Kirche.