Die Personalie Guy Lachappelle sorgt innerhalb der Raiffeisen weiterhin für Unruhe. Nordwestschweizer Regionalpräsident Fredi Zwahlen hat aus Protest sein Amt als Verwaltungsrats-Delegierter niedergelegt, wie diese Zeitung erfahren hat. Zwahlen und Raiffeisen bestätigen den Rücktritt auf Anfrage.

Zusammen mit fünf weiteren Regionalpräsidenten bildete Zwahlen ein externes Verwaltungsratsgremium, das den offiziellen Nominations- und Vergütungsausschuss des Verwaltungsrats bei seinen Entscheidungen unterstützt. Neben Zwahlen gehören dem erweiterten Ausschuss auch Kurt Sidler (Luzern, Ob- und Nidwalden), Mauro Cavadini (Tessin und Misox), Carmen Zenklusen (Oberwallis), Christian Gapany (Fribourg) sowie Christian Spring (Jura) an. Der Sinn dieser Verwaltungsrats-Delegation besteht darin, eine Scharnierstelle zwischen der Zentrale in St. Gallen und den über 200 Genossenschaften in den Regionen zu bilden.

Der Rücktritt von Zwahlen aus diesem Gremium kommt einigermassen überraschend, sprach dieser Guy Lachappelle noch letzte Woche das Vertrauen aus, gemeinsam mit den fünf anderen Regionalpräsidenten. Der Vertrauensbeweis, der in einer E-Mail festgehalten wurde, bezog sich jedoch nur auf die Untersuchungen in Zusammenhang mit dem ASE-Betrugsskandal, in den die Basler Kantonalbank (BKB) verwickelt ist — jener Bank, deren Chef Lachappelle bis heute ist. Gemäss dem Eidgenössischem Finanzdepartement hat die BKB eine Geldwäschereimeldung ein Jahr zu spät eingereicht. Das Verfahren kann dazu führen, dass weitere Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe auf die Bank zukommen könnten. Für Guy Lachappelle stellen die Weiterungen im ASE-Skandal ein erhebliches Reputationsproblem dar.

Sind 750 000 Franken zu wenig?

Doch für Zwahlens Rücktritt war Lachappelles Rolle im ASE-Skandal offenbar von geringer Bedeutung. Entscheidend war vielmehr die Höhe seiner künftigen Bezüge als Raiffeisen-Präsident. Lachappelle soll künftig insgesamt 750 000 Franken pro Jahr verdienen. Damit wird er deutlich mehr erhalten als sein Vorgänger Johannes Rüegg-Stürm, der bis 2016 für das 50-Prozent-Mandat 478 800 Franken kassierte. Einzig im Jahr 2017, als die Vincenz-Affäre hochkochte, erhöhte der Verwaltungsrat wegen der «zunehmenden inhaltlichen Komplexität» seine Bezüge um satte 43 Prozent. In den Raiffeisen-Regionen sorgte diese eigenmächtige Lohnerhöhung für einen Sturm der Entrüstung und hat letztlich dazu geführt, dass der Verwaltungsrat in den letzten Monaten mit ebendieser Gruppe von Delegierten, die Fredi Zwahlen nun verlassen hat, ein neues Vergütungsmodell ausgearbeitet hat. Dieses soll von der ausserordentlichen Delegiertenversammlung im November genehmigt werden.

Tief blicken lässt, dass Raiffeisen Lachappelles künftiges Salär von 750 000 Franken ausgerechnet mit den Verwaltungsratsbezügen des Krisenjahres 2017 zu rechtfertigen versucht. Die Tatsache, dass Lachappelle im langjährigen Vergleich in Wahrheit deutlich mehr verdienen wird als sein Vorgänger, wird von den Kommunikationsstrategen in St. Gallen ins Gegenteil verdreht. So schreibt die Bank in einer Stellungnahme: «Unter Berücksichtigung des deutlich höheren Mandatsumfangs sowie der höheren Verantwortlichkeit liegt die vorgesehene Vergütungshöhe für den VR-Präsidenten ab 2019 wesentlich tiefer als die Vergütung der vergangenen Jahre.»

Fredi Zwahlen, der Regionalpräsident bleibt, liess sich kein X für ein U vormachen und reichte seinen Rücktritt ein.