Das Muster ist seit Anfang Oktober immer das gleiche: Die Small- und Mid-Cap-Werte, also die Aktien von kleineren und mittelgrossen Firmen, die durch den Swiss-Performance-Index Extra (SPI Extra) repräsentiert werden, fallen im Durchschnitt deutlich schneller als die grossen Blue-Chips im Swiss-Market-Index (SMI).

Hart traf es gestern die Aktien von Automobilzulieferern wie Komax, Gurit, Autoneum, Klingelnberg oder Feintool. Die Aktien büssten zwischen knapp drei Prozent und gut fünf Prozent ihres Wertes ein. Die Korrektur kommt nicht von ungefähr. Die Automobilindustrie hat im laufenden Jahr mit einem zunehmenden Gegenwind zu kämpfen.

Insbesondere in Europa und in China erleiden die Automobilhersteller derzeit teilweise deutliche Umsatzeinbussen. In China wurden in den ersten zehn Monaten ein Prozent weniger Autos verkauft. Das tönt nach einer kleinen Differenz, doch der chinesische Automarkt wies in den vergangenen Jahren zweistellige Zuwachsraten aus.

Der Handelsstreit und die damit verbundene Konjunkturverlangsamung fordern ihren Tribut. In Europa sind die Automobilverkäufe ebenfalls deutlich rückläufig. Auch hier dürfte sich die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums bemerkbar machen.

Hinzu kommen Probleme im Zusammenhang mit der Umstellung auf den neuen Abgasprüfstandard WLTP. Auch in der Schweiz gingen die Neuzulassungen im November weiter zurück, wie das Bundesamt für Statistik meldete.

Seit Mitte Jahr haben fast alle Autohersteller und deren Zulieferer ihre Verkaufs- und Ertragsprognosen nach unten korrigiert – einige sogar mehrmals. Manche Branchenvertreter sprechen von einem «Wendepunkt». Andere hoffen immer noch auf eine rasche Rückkehr in den Expansionsmodus.

Fakt ist, dass der Automobilsektor ausserordentlich zyklisch ist. Die Nachfrage reagiert stark auf konjunkturelle Veränderungen, und dies oft noch bevor diese in den Konjunkturstatistiken eindeutig sichtbar werden.

Für Anastassios Frangulidis, Anlagechef der Genfer Privatbank Pictet, kommt die Kursschwäche der Schweizer Automobilzulieferer nicht überraschend. Seit der letzten Börsenkorrektur im Oktober habe die Risikobereitschaft deutlich abgenommen, sagt er. Das ist für ihn auch der Grund, dass die Small- und Mid-Cap-Titel seither überdurchschnittlich viel verloren haben.

Der Index SPI Extra büsste seit Anfang Oktober rund 16 Prozent ein, während der SMI lediglich etwa fünf Prozent verlor. Es sind just diese zwei Monate, in denen die Performance-Schere zugunsten der Blue-Chips aufgegangen ist.

Nestlé, Roche und Novartis, die drei dominanten Werte im SMI, vermochten in den vergangenen zehn Wochen sogar leicht zuzulegen. «Ein typisches Phänomen, das die steigende Nachfrage der Anleger nach möglichst risikoarmen Investments belegt», erklärt Frangulidis.

Uhrenaktien abgestraft

Doch auch im SMI finden sich zyklische Titel, darunter die beiden Uhren- und Luxusgüterhersteller Swatch Group und Richemont. Die Aktien dieser beiden Konzerne habe seit Anfang Oktober zwischen 21 Prozent und 26 Prozent ihres Wertes eingebüsst. Auch hier macht sich in erster Linie Verlangsamung des Wachstums in China bemerkbar. Sichtbar wird die gedämpfte Stimmung am Aktienmarkt auch in dem sich verschlechternden Verhältnis zwischen Aktien mit Kursgewinnen und solchen mit Kursverlusten.

Im bisherigen Jahresvergleich stehen in der Schweiz 167 Aktien mit Kursverlusten deren 48 mit Kursgewinnen gegenüber. In den vergangenen vier Wochen ist die Zahl der Gewinner auf 30 geschrumpft und jene der Verlierer auf 185 gestiegen.