Nicht alle IV-Stellen nutzten den Spielraum für schnelle Massnahmen aus, den ihnen das Gesetz zugestehe, teilte das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) am Freitag mit. Vor allem für Menschen mit geringer Bildung könnten gewisse IV-Stellen mehr tun.

Laut der in Bern den Medien vorgestellten wissenschaftlichen Studie im Auftrag des BSV ist die Bilanz der am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzten 5. IV-Revision aber positiv. Es sei gelungen, die IV von einer Renten- zu einer Wiedereingliederungs-Versicherung zu machen, schrieb das BSV.

Früherfassung lohnt sich

Dank der Früherfassung nehmen mehr von Invalidität bedrohte Menschen früher Kontakt mit der IV auf, noch bevor sie ihre Stelle verlieren und möglicherweise lange arbeitsunfähig bleiben. Das sei umso wichtiger, als es einfacher sei, eine Arbeit zu behalten als eine neue Stelle zu finden, schrieb das BSV.

Öfter als vor der 5. IV-Revision ergreift die IV rasch Massnahmen zur beruflichen Eingliederung: War das vorher bei 24 Prozent der Personen der Fall, sind es nun 37 Prozent. Über ein Drittel aller Massnahmen (36 Prozent) werden heute in den ersten drei Monaten nach dem ersten Kontakt mit der IV ergriffen. Vor der Revision waren es 19 Prozent.

Die Studie belegt gemäss BSV auch, dass die 5. IV-Revision zur Sanierung des hoch verschuldeten Sozialwerks beiträgt. Die Zahl der neu zugesprochenen Renten ging im Vergleich zu 2003 um fast 50 Prozent zurück, und auch die Zahl der laufenden Renten nimmt ab.

Weitere Revisionen nötig

Die IV-Stellen meldeten im Jahr 2011 rund 11'500 gelungene berufliche Eingliederungen. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr 2007. Damals wurden 5800 Fälle gezählt. 2011 stand die IV mit 15 Milliarden Franken in der Kreide.

Obwohl die 5. und der Anfang 2012 in Kraft getretene erste Teil der 6. IV-Revion zur Sanierung der IV beitragen, ist auch der umstrittene zweite Teil der 6. Revision notwendig, um das Sozialwerk ins Gleichgewicht zu bringen. Dies sagte BSV-Direktor Jürg Brechbühl im vergangenen Oktober. Die IV-Revision 6b wird nächste Woche vom Nationalrat beraten.