Versicherungen sind langweilig und konservativ. Richtig? Wenn das stimmt, warum will sich Softbank mit rund zehn Milliarden Franken an Swiss Re beteiligen? Mehr Tradition als Swiss Re geht nicht. Der Rückversicherer hat eine 155-jährige Tradition, geht auf den legendären Alfred Escher zurück und ist so etwas wie ein Synonym von altem, solidem Geld.

Soft Bank ist das pure Gegenteil. Der japanische Exzentriker Masayoshi Son hat es aus dem Nichts zu einem der bedeutendsten Unternehmen des digitalen Zeitalters geformt. Son passt bestens in eine Silicon-Valley-Kultur. Er ist überzeugt, dass Maschinen bald intelligenter sein werden als Menschen, und er möchte wie die Gurus aus Kalifornien unsterblich werden.

In den Achtzigerjahren begann Soft Bank als Medien- und Telekommunikationsunternehmen. Son profitierte vom Boom dieser Branche und baute es zu einem digitalen Powerhaus aus, indem er geschickt Beteiligungen kaufte – beispielsweise an Yahoo, Alibaba oder Apple.

Inzwischen ist Soft Bank einer der wichtigsten Player geworden. Zusammen mit Saudi-Arabien und unter Beteiligung von Apple hat er den Vision Fund gegründet, einen Wagniskapital-Fonds mit Mitteln in der Höhe von 100 Milliarden Dollar.

Glaube an künstliche Intelligenz

Dieses Geld wird für gezielte Aufkäufe und Beteiligungen eingesetzt. So erwarb Soft Bank den britischen Chip-Hersteller ARM, der als führend auf dem Gebiet der Smartphone-Technik gilt. Kürzlich hat sich Soft Bank mit mehreren Milliarden am Fahrdienstleister Uber beteiligt. Von Alphabet (ehemals Google) hat man den Roboter-Hersteller Boston Dynamics übernommen. «Ich bin überzeugt, dass wir vor dem grössten Paradigmawechsel aller Zeiten stehen», glaubt Son. «In den nächsten 30 Jahren wird die Singularität zur Tatsache werden.» (Die Verschmelzung von menschlicher und künstlicher Intelligenz, Anm. der Red.)

Swiss Re ist damit für Son kein Investment, mit dem er sein Alter absichern will. «Insider sagen, dass Son Swiss Re dazu benützen will, Versicherungsprodukte direkt an die Konsumenten zu bringen», schreibt das «Wall Street Journal». «Der Plan besteht darin, Technik anstelle von menschlichen Agenten zu verwenden und dabei das Netzwerk von Soft Bank zu benützen.»

Verhandlungen: Ausgang offen

Ob dieser Plan auch umgesetzt werden kann, ist offen. Swiss Re teilt mit: «Wir befinden uns in einer frühen Phase der Diskussionen. Es gibt keine Gewissheit, dass die Transaktion auch genehmigt werden wird.»

Die Verbindung von Swiss Re und Soft Bank ist keineswegs so exotisch, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Die Digitalisierung erfasst zunehmend auch traditionelle Unternehmen und Geschäftsbereiche. So haben Amazon, Warren Buffett und JP Morgan kürzlich bekannt gegeben, dass sie gemeinsam das amerikanische Gesundheitswesen aufmischen wollen. Auch sie setzen dabei auf digitale Technik, mit der sie die teure und ineffiziente traditionelle Medizin «disruptieren» wollen.