2018 dürfte als Jahr der Dürre in die Wettergeschichte eingehen. Ob der extremen Trockenheit und der verheerenden Waldbrände in verschiedenen Ländern Europas und in Kanada gerät die an Naturkatastrophen ungewöhnlich harmlose erste Jahreshälfte aber leicht in Vergessenheit. Gemäss vorläufiger Schätzungen des Instituts Swiss Re beliefen sich die gesamtwirtschaftlichen Katastrophenschäden zwischen Anfang Januar und Ende Juni auf 36 Milliarden Dollar. 3900 Menschen verloren dabei ihr Leben oder werden vermisst. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres erreichten die monetarisierten Katastrophenschäden mit 64 Milliarden Dollar und 4600 Opfern ein deutlich grösseres Ausmass. Doch beide Perioden liegen weit unter dem Zehnjahresdurchschnitt von 125 Milliarden Dollar.

Über 90 Prozent der Katastrophen sind naturbedingt und ein deutlich zunehmender Anteil ist auf extreme Wetterereignisse zurückzuführen. Die Anzahl wetterbedingter Katastrophen hat sich seit Beginn der Zählung von Swiss Re im Jahr 1970 auf 171 Ereignisse im Jahr 2017 mehr als verfünffacht. 2017 war auch das Jahr mit dem grössten wirtschaftlichen Gesamtschaden (versicherte und unversicherte Schäden) von 326 Milliarden Dollar. Die Tropenstürme «Irma», «Harvey» und «Maria» fegten zwischen August und September mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern durch die Karibik und richteten dort, wie auch an den amerikanischen Küstenstreifen von Texas und Florida schlimme Verwüstungen an. Weil in der ersten Jahreshälfte keine atlantischen Hurrikane auftreten, fallen die wetterbedingten Katastrophenschäden in dieser Zeit gewöhnlich geringer aus als im zweiten Halbjahr.

Dürre als neue Normalität?

Vor dem offiziellen Beginn der Hurrikan-Saison Anfang Juni hatten Meteorologen eine leicht überdurchschnittliche Aktivität von Wirbelstürmen vorausgesagt. Der bisherige Verlauf scheint ihnen nicht recht zu geben. Ins Gewicht fallen aber die Hitze und die Trockenheit, die schon seit Monaten mehrere Weltregionen fest im Griff haben. Die Höhe der trockenheitsbedingten Schäden in der Landwirtschaft und aufgrund der Waldbrände gelte es noch festzustellen, schreibt die Swiss Re. 2018 kann immer noch ein teures Katastrophenjahr werden.

Eine eindeutige Erklärung für die Zunahme der wetterbedingten Naturkatastrophen gibt es nach Auskunft der Swiss-Re-Analystin Lucia Bevere noch keine. Die globale Klimaerwärmung sei eine mögliche und auch plausible Ursache, aber nicht die einzige. Das gestiegene Bewusstsein um die Gefahr von extremen Wetterbedingungen wie auch die erhöhte Bevölkerungsdichte dürften dazu geführt haben, dass heute höhere Schadenzahlen gemeldet und gemessen werden als vor 50 Jahren, gibt Bevere zu bedenken.

Martin Bertogg, Leiter des Bereichs Naturgefahren bei Swiss Re, wird noch etwas deutlicher: «Wir gehen davon aus, dass wir weitere extreme Wetterlagen erleben werden, zum Beispiel anhaltende Hitzewellen und Dürreperioden – ähnlich wie die der letzten Wochen. Das könnte durchaus zur neuen Normalität werden. Wissenschaftliche Klimamodelle legen nahe, dass die Temperaturen und die Feuchtigkeit in der Atmosphäre in vielen Gegenden der Welt zukünftig ansteigen und unbeständiger werden. Das Niederschlagsmuster wird volatiler; wir werden gravierende Dürren und damit verheerende Waldbrände erleben. Mit der zunehmenden Urbanisierung und der laufenden Ausweitung von Wohngegenden in Naturwaldgebieten wird sich das Schadenpotenzial noch weiter erheblich erhöhen. Die Gesellschaft wird sich anpassen und darauf vorbereiten müssen, dass solche Vorkommnisse immer häufiger eintreten.»