Das Familienunternehmen Klingelnberg hat es eilig mit dem Börsengang. Nur knapp zwei Wochen nach der Vorankündigung der Publikumsöffnung hat der Maschinenbauer am Montag bereits den Start der Angebotsfrist angekündigt. Bis zum 19. Juni können die Investoren ihre Zeichnungsofferten für die rund fünf Millionen zum Verkauf stehenden Aktien abgeben.

Die von der Credit Suisse und Berenberg ermittelte Preisspanne erstreckt sich von 45 bis zu 54 Franken pro Titel. Damit wird sich der Börsenwert des Unternehmens auf 400 Millionen bis 480 Millionen Franken belaufen.

Im Konkurrenzvergleich erscheint das obere Ende der Preisspanne als ziemlich ehrgeizig. Klingelnberg verdiente im vergangenen Jahr 14,2 Millionen Euro oder zum aktuellen Wechselkurs umgerechnet rund 16,5 Millionen Franken. Die im Emissionsprospekt gemachten Angaben zur Geschäftsentwicklung im neuen Jahr (das im März 2019 zu Ende geht) lassen einen Gewinn von umgerechnet knapp 20 Millionen Franken erwarten.

Daraus leitet sich eine Spanne beim erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20-mal bis höchstens 24-mal ab. Der Schweizer Industriesektor wird aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis bezogen auf die erwarteten Gewinne im laufenden Jahr von 20-mal bewertet. Klingelnberg erhofft sich also im besten Fall eine substanzielle Prämie zum Gesamtmarkt.

Familie bleibt Ankeraktionärin

Klingelnberg verfolgt zwei Ziele mit dem Börsengang. Einerseits will sich die Firma über die Ausgabe neuer Aktien frisches Kapital im Umfang von 23 Millionen bis 28 Millionen Franken beschaffen, um dieses für Übernahmen einsetzen zu können. Anderseits will sich die Familie Klingelnberg, die das Unternehmen bisher vollständig besass, von der Mehrheit ihrer Beteiligung trennen.

Gelingt die Emission im vollen Umfang, sinkt die Beteiligung der Familie Klingelnberg auf rund 48 Prozent. Die Familie will aber nach eigenen Angaben auch langfristig Ankeraktionärin der Firma bleiben. Der 46-jährige Jan Klingelnberg ist als Firmenchef tätig und der Vater Diether bleibt im Verwaltungsrat. Das Präsidium übernimmt indessen Jörg Wolle, der diese Funktion auch bei Kühne + Nagel übernommen hat.

Klingelnberg ist eine führend Anbieterin von Maschinen zur Zahnradherstellung. Im zurückliegenden Jahr belief sich der Umsatz auf 257 Millionen Euro. Für das laufende Jahr rechnet Klingelnberg mit einer Zunahme auf 270 Millionen bis 280 Millionen Euro.

Von Bern nach Zürich

Nur fünf Tage nach der vorgesehenen Erstkotierung der Klingelnberg-Titel soll die Schweizer Börse weiteren Zuwachs erhalten. Die Luxusgüter-Firma Lalique wechselt voraussichtlich am 25. Juni von der Berner Börse an den Hauptmarkt. Auch Lalique plant die Durchführung einer Kapitalerhöhung zum Zweck der Wachstumsfinanzierung. Das in der Herstellung von Parfüms, Kosmetika und Kristallwaren tätige Unternehmen hat 2017 mit 600 Mitarbeitern knapp 130 Millionen Euro umgesetzt. Es resultierte ein Gewinn von 6,9 Millionen Euro. Der Streubesitz von Lalique beträgt weniger als 30 Prozent. Geführt wird die Firma vom schweizerisch-italienischen Doppelbürger Silvio Denz.