Auch die Zahl der Beschäftigten ist weiter gestiegen. Die Forderungen der Angestellten nach mehr Lohn folgen umgehend, während der Verband vor dem Fachkräftemangel warnt und insbesondere vor einem Scheitern des Rahmenabkommens mit der EU.

Die Umsätze legten im ersten Halbjahr im Vergleich zur Vorjahresperiode um 16,4 Prozent zu, wie der Industrieverband Swissmem am Dienstag mitteilte. Noch besser sieht es beim Bestellungseingang aus: Die Auftragseingänge, welche die künftigen Umsätze darstellen, kletterten um 24,1 Prozent. Dies sind die höchsten Werte seit zehn Jahren.

Zyklus in später Phase

Der Konjunkturzyklus für die MEM-Industrie befindet sich allerdings in einem späten Stadium. Swissmem-Präsident Hans Hess rechnet für die in seinem Verband zusammengeschlossenen Unternehmen noch in den nächsten sechs bis zwölf Monaten mit einem guten Geschäftsgang, wie er an der Halbjahresmedienkonferenz des Verbandes erklärte. Spätestens Mitte 2019 also dürfte sich die konjunkturelle Lage der Unternehmen eintrüben.

Hess sieht aber noch weitere Wolken am Horizont - nebst dem Arbeitskräftemangel vor allem politischer Natur. Als "eine der grössten Herausforderungen für die MEM-Industrie" bezeichnet er den Fachkräftemangel in den kommenden Jahren. Um hier Gegensteuer zu geben hat der Verband bereits im Vorjahr einer Umschulungsinitiative eingeleitet, welche Erwachsenen eine Zweitausbildung in einem neuen Beruf ermöglichen soll.

Rahmenabkommen mit EU ist zentral

Nebst dem Fachkräftemangel macht sich Hess vor allem Sorgen um die politischen Rahmenbedingungen, sowohl im Inland als auch im Ausland. "Mich beschäftigen derzeit vor allem vier Themenfelder", sagte er vor den Medien. Er nannte die Fair Food- und die Ernährungsinitiative, die Selbstbestimmungsinitiative der SVP, das mögliche Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten sowie das Rahmenabkommen mit der EU.

Letzteres scheint ihm am meisten am Herzen zu liegen, bekräftigte er doch seine Forderung zu Handen des Bundesrates, das Rahmenabkommen mit der EU noch in diesem Jahr abzuschliessen. "Höchste Priorität hat weiterhin die Aufgabe, den ausgezeichneten Zugang zum europäischen Binnenmarkt zu bewahren", sagte Hess.

Dieser ist mit gut 60 Prozent der Ausfuhren der wichtigste Absatzmarkt der Schweiz. "Die Wirtschaft braucht Klarheit in dieser Frage", sagte Hess

Blockade der Gewerkschaften 'ärgerlich'

Doch auch die Handelskonflikte rund um den Globus treiben den Swissmem-Chef um. Sollte die EU als Reaktion auf Zollmassnahmen der USA die Zölle für Stahl und Aluminium für Nicht-EU-Partner auf 25 Prozent erhöhen, wäre dies laut Hess für viele Unternehmen in der Schweiz nicht mehr zu stemmen.

Und er sieht es als wenig wahrscheinlich an, dass die EU die Schweiz bei einem fehlenden Rahmenabkommen von solchen Massnahmen verschonen würde. Die Blockade der Gewerkschaften für ein konstruktives Gespräch über die technischen Aspekte der flankierenden Massnahmen nannte Hess deshalb "ärgerlich".

Auf die Frage, wie gross er die Chancen für ein Rahmenabkommen mit der EU noch in diesem Jahr einschätze, sagte Hess: "Mein Optimismus, den ich diesbezüglich im Juni noch hatte, ist zumindest etwas angeschlagen."

Heikle Initiativen

Die Volksinitiativen Fair Food und Ernährungssicherheit stuft der Swissmem-Leiter als "heikel" ein und die Selbstbestimmungsinitiative der SVP als "gefährlich". Letztere sei für die MEM-Industrie relevant, da sie zahlreiche internationale Verträge gefährde, welche den einfachen Zugang zu den Absatzmärkten garantierten.

Weniger besorgt zeigen sich erfahrungsgemäss die Arbeitnehmerverbände. Angestellte Schweiz hat unmittelbar nach Veröffentlichung der MEM-Zahlen für das Halbjahr Forderungen nach höheren Löhnen platziert. Je nach Subbranche der MEM-Industrie sollen die Löhne demnach um 1,4 bis 2,3 Prozent steigen.