Die YB-Spieler wurden nach ihrem Einzug in die Champions League in Bern euphorisch empfangen. Winkend stiegen die Sporthelden aus einem Flugzeug der Schweizer Fluggesellschaft Skywork aus. Wenige Stunden später ist klar: Für das kommende Champions-League-Abenteuer muss YB eine neue Airline finden.

Skywork bleibt für immer am Boden. Was für YB kein Problem darstellen dürfte, könnte für den Flughafen Bern zum ernsten Problem werden. Durch das Grounding verliert der Flughafen ein Drittel seiner Einnahmen. Rund zwei Drittel der Flüge im Linien- und Charterbetrieb sind weg. Ein Nackenschlag.

Der Chef des Flughafens Bern, Mathias Gantenbein, sieht den Betrieb unmittelbar nicht gefährdet. Man habe noch in der Nacht auf gestern Kontakt zu anderen Airlines aufgenommen, welche eventuell gewisse Lücken schliessen könnten, sagte er gegenüber dem TV-Sender Tele Bärn. Konkrete Namen nannte Gantenbein nicht.

In einer Medienmitteilung des Flughafens heisst es, dass man durchaus Potenzial sehe für einen Linien- und Charterbetrieb. Auch nach dem Ende von Skywork. Die Zahl von bis zu 300'000 Fluggäste würde dies belegen. Nur: Diese Zahl ist längst überholt. Im letzten Jahr flogen noch 180'000 Gäste von oder nach Bern. Die Anzahl Passagiere ging seit 2012 stetig zurück.

Strategie überprüfen

Gleichzeitig soll der Regionalflugplatz Bern-Belp ausgebaut werden. Anfang dieses Jahres wurde die vierte Ausbauetappe an die Hand genommen. Der Flughafen ist zu grossen Teilen in privaten Händen, aber auch Stadt und Kanton Bern sind Aktionäre. Der Bund gewährt für den Ausbau ein zinsloses Darlehen über 4 Millionen Franken, der Kanton Bern steuert 2 Millionen zum Ausbau hinzu.

Die Gesamtkosten liegen bei rund 18 Millionen Franken. Der Ausbau sei weiterhin berechtigt: «Wenn ich mir die Infrastruktur anschaue, ist eigentlich klar, dass es in verschiedenen Bereichen Optimierungspotenzial gibt», sagt Christian Wasserfallen, FDP-Nationalrat und Präsident der Interessengemeinschaft Berner Luftverkehr. «Für die Hauptstadtregion ist es ein herber Schlag», sagt Wasserfallen.

Gerade für den Bund sei der Flughafen unverzichtbar. «Nirgends sonst sind die Wege kürzer und kann in sinnvoller Zeit der Bundesratsjet abheben», sagt Christian Wasserfallen.

Der Flughafen habe auch nach dem Ende von Skywork eine Daseinsberechtigung. Das Einzugsgebiet sei entsprechend gross, erklärt Wasserfallen. Die geforderte kritische Masse an Passagiere zu erreichen, sei aber nicht einfach.

Das Problem: Die Kosten sind für Regionalflughäfen im Verhältnis viel höher als bei grossen Flughäfen wie Zürich, Basel oder Genf. Höhere Passagierzahlen würden bedeuten, dass die einzelnen Fluggäste weniger Kosten über ihre Tickets bezahlen müssen.

Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried fordert, dass der Flughafen nun seine Strategie überprüft. Offensichtlich sei die Abstützung von Skywork nicht genügend gross gewesen. Das Ende der Berner Regionalfluggesellschaft müsse nicht unbedingt das Ende der Linienflüge ab Bern bedeuten, ergänzt von Graffenried.

SkyWork: Passagiere und Flughafen Lugano suchen nach Alternativen

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Aber die Region Bern sei auch sonst weiterhin ausgezeichnet angeschlossen mit den Flughäfen Zürich, Basel und Genf. Ein Bekenntnis zum eigenen Flughafen klingt anders.

Skywork war der sogenannte Homebase-Carrier des Flughafens Bern-Belp und mit Abstand dessen wichtigster Kunde. Bereits im Juni habe sich abgezeichnet, dass Skywork in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnte, sagte ein Sprecher des Bundesamts für Zivilluftfahrt gegenüber dem Nachrichtenportal «Nau». Es sei aber ein Deal mit einem Investor im Raum gestanden. Am Montag informierte Skywork den Bund, dass das Geschäft geplatzt ist.

Die rund 120 Angestellten wurden erst am Mittwochabend informiert. Die Fluggäste gar nicht.
Im letzten Monat vermeldete die Airline noch, dass sie in Zukunft von Lugano nach Genf fliegen will. Am späten Mittwochabend nun das Aus. Auf Anfragen der «Nordwestschweiz» reagierte die Fluggesellschaft nicht.

Bereits im letzten Herbst stand die Airline vor dem Grounding – der Flugbetrieb stand drei Tage lang still. Auf den letzten Drücker konnte ein Investor gefunden werden. Dieses Mal ging die Suche schief.