Gestern griff die Unia Coop und Migros an. Gestützt auf einer Studie der Universität Bern warf sie den Detailhändlern vor, dass sich die Arbeitsbedingungen auf den Ladenflächen seit der Einführung der Self-Scanning-Kassen verschlechtert hätten.

So leide das Personal etwa unter grossem Stress, wenn es bei den Self-Scanning-Kassen eingeteilt sei. Dazu kämen Rückenschmerzen, weil es keine Sitzgelegenheiten gebe. Mehr zu den Self-Scanning-Kassen und ihren Auswirkungen auf das Personal in diesem Artikel.

Migros und Coop bezogen Stellung zu den Vorwürfen. Coop gab dabei unter anderem an, dass man die Studie nicht als repräsentativ betrachten könne. Grund dafür ist, dass für die Studie nur zehn Detailhandelsangestellte befragt wurden. Die Studie wurde von wissenschaftlichen Mitarbeitern des interdisziplinären Zentrums für Geschlechterforschung (IZFG) durchgeführt.

Wissenschaftlich zulässig

Die Studienautoren wehren sich nun gegen den Vorwurf von Coop, wonach die Studie nicht repräsentativ sei. Tina Büchler, eine der Studienautorinnen, schreibt auf Anfrage der Redaktion von CH Media: «Im Rahmen eines qualitativen Forschungsdesigns ist es durchaus zulässig, mit einem kleinen Sample von 10 Personen zu arbeiten.» Für die Studie seien die zehn Teilnehmer während rund 90 Minuten befragt worden.

«Solche vertieften Interviews erlauben es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, was hinter den Zahlen passiert, welche in den Branchenberichten jeweils publiziert werden», so Büchler. Teilnehmer habe man nach dem Prinzip der «kriterienbasierten Auswahl» ausgewählt.

Das Bedeutet, dass man nach jedem geführten Interview nach für die Fragestellung relevanten Kriterien entscheidet, welche Person als nächstes interviewt werden soll.

Dabei wird darauf geachtet, dass sich die beiden Personen voneinander unterscheiden. Wenn eine ältere, ausgebildete Detailhandelsangestellte mit zwei Kindern befragt wurde, dann wurde als nächstes eine junge Studentin im Stundenlohn interviewt.

«Dieses stufenweise Vorgehen stellt in der qualitativen Sozialforschung sicher, dass der Datensatz auch bei einer kleinen Fallmenge ein breites und Spektrum an Perspektiven abdeckt und damit auch bei kleiner Fallzahl ein aussagekräftiges Bild des untersuchten Feldes liefert.»

Laut Büchler wurden im Umfeld des Detailhandels bisher sehr wenige sozialwissenschaftliche Forschungen durchgeführt. Es gebe sehr wenige wissenschaftliche Daten dazu, wie sich die Qualität der Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren entwickelt habe. Dies, obwohl der Detailhandel mit ca. 323’000 Angestellten die drittgrössten Wirtschaftsbranche in der Schweiz darstelle. Die vorliegende Studie sei einer der ersten kleinen Schritte in diesem Forschungsfeld.