Herr Hodler, der Verwaltungsrat hatte im November, nach dem Rücktritt von Boris Collardi, die Durchführung eines «Evaluationsprogramms für die langfristige Führung der Bank» angekündigt. Sind Sie nun das Ergebnis daraus?

Bernhard Hodler: Ja, der Verwaltungsrat hat mich in der Rolle des CEO bestätigt und er hat mir an seiner letzten Sitzung, die vor kurzem stattgefunden hat, das Vertrauen ausgesprochen.

Sind Sie also der Mann für die langfristige Führung der Bank?

Ja, der bin ich, wobei ich Ihnen jetzt nicht sagen kann, ob ich zehn oder fünf oder drei Jahre in dieser Funktion bleiben werde.

Das ist an der Medienkonferenz von heute Morgen aber nicht ganz klar geworden. Warum nicht?

Ich war tatsächlich überrascht, dass ich in meiner Rolle so ein heisses Thema war. Vielleicht war ich etwas naiv, weil ich dachte, dass meine Nominierung als CEO eine klare Sache war. Der Verwaltungsrat hatte mich ja zu keinem Zeitpunkt als CEO ad interim bezeichnet. So bin ich an der Medienkonferenz ungewollt zum wichtigsten Thema geworden.

War für Sie von Beginn weg klar, dass Sie sich diese Chance nicht entgehen lassen wollten?

Für mich war klar, dass ich jederzeit CEO werden könnte. Ich hatte ja wenige Monate vor meiner Berufung die Rolle eines CEO-Stellvertreters angenommen. Der Zeitpunkt meiner Ernennung kam allerdings auch für mich etwas überraschend.

Hätten Sie sich Ihren Start als CEO unter anderen Bedingungen gewünscht?

Es wäre sicher einfacher gewesen, wenn der Wechsel nicht Hals über Kopf erfolgt wäre. Aber das war für mich auch kein Riesenproblem, weil ich alle Themen der Bank aus meinen fast 20 Jahren bei Julius Bär sehr gut kenne und keine lange Anlaufzeit brauchte.

Wir haben Ihren Vorgänger als eher barocke und gleichzeitig draufgängerische Persönlichkeit erlebt. Wie sind Sie?

Ich bin sicher weniger barock. Dafür authentisch, ausgeglichen und fokussiert auf die Umsetzung der Strategie und die Erreichung der Ziele.

Sie waren am Anfang Ihrer Karriere ein Kreditanalyst. Später wurden Sie Risikomanager. Diese Leute haben doch die Rolle des Bremsers in einer Bank. Ist das auch Ihre Aufgabe?

Ich muss Ihre Lesart meines Lebenslaufes etwas korrigieren. Ich war in meiner Zeit bei den beiden Schweizer Grossbanken nicht nur im Risikomanagement, sondern auch im Handel tätig. Bei Julius Bär war ich während fünf Jahren Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bank und hatte dabei auch die direkte Verantwortung für unsere Niederlassungen in New York und Jersey. Ich war auch COO oder Betriebschef, wenn Sie lieber wollen. Mein Portefeuille ist also breiter als das eines reinen Risikomanagers.

Aber sind Sie nun Bremser oder Steuermann?

Ich hatte vor kurzer Zeit einen Vortrag bei einer Berufsorganisation von Risikomanagern, und dort habe ich gleich am Anfang gesagt, dass eine wichtige Funktion jedes Risikomanagers sein muss, auch das Wachstum zu unterstützen. Entscheidend ist aber, dass das Wachstum nachhaltig ist.

Die Bank Julius Bär hat eine stark schweizerisch geprägte Führung. Ist das ein Zufall?

Nein, die schweizerische Prägung der Bank hat mit unseren Wurzeln zu tun. Dass ich als CEO und unser Verwaltungsratspräsident einen Schweizer Pass besitzen, passt zur DNA von Julius Bär.

Es gibt viele Stimmen, die sagen, Julius Bär werde kaum im bisherigen Tempo weiterwachsen können. Wäre es ein Problem für Sie, die neuen Leistungsziele herunterschrauben zu müssen?

Die aktuellen Ziele sind seit 2015 gültig, und wir werden sie im Lauf des Jahres sicher anschauen müssen. Ich glaube aber, dass wir im bisherigen Tempo weiter wachsen können. Wir hatten kürzlich ein dreitägiges Meeting mit der Geschäftsleitung auf dem Bürgenstock und alle Elemente, die wir dort betrachtet haben, zeigen uns, dass wir das Potenzial haben, im bisherigen Tempo weiter zu wachsen, ohne die Stabilität der Plattform zu gefährden.