Flugunfälle mit Zivilflugzeugen lassen sich an zwei Händen abzählen. Und es hat keinen einzigen Unfall dabei, bei dem ein grösserer Jet betroffen gewesen wäre.

Die «Nordwestschweiz» wertete die aktuelle Website planecrashinfo.com aus. Die sieben Abstürze und Bruchlandungen, die 2017 zu verzeichnen waren, betrafen vier Frachtflugzeuge und fünf Charter-Kleinflugzeuge. Insgesamt waren 53 Tote zu verzeichnen, ein Rekord-Tiefstand im Vergleich zu den Jahren 2013 bis 2016, als zwischen 250 (im Jahr 2013) und 1000 Tote (2014) jährlich zu beklagen waren (siehe nachfolgende Tabelle).

2014 war das finstere Jahr, als von Malaysia Airlines eine Boeing an unbekanntem Ort abstürzte und eine zweite über der Ukraine abgeschossen wurde. Gemäss dem Branchenverband International Air Transport Association (Iata) haben sich die Unfallzahlen (Flugzeug-Totalschäden pro Million Flüge) in der Gesamtbranche seit 2013 mehr als halbiert, der Trend zeigt nach unten.

35 Anwohner gestorben

Die Statistik ist nicht ganz scharf. Zu den 53 Toten müsste man im Prinzip auch die 35 Flughafenanwohner zählen, die vor knapp einem Jahr in Bischkek, Kirgisien, das Leben lassen mussten. Eine Boeing-Frachtmaschine schoss über das Pistenende hinaus und krachte in eine Wohnsiedlung. Und in der Regel werden, wenn es um die Zivilluftfahrt geht, Unfälle von Luftwaffen nicht dazugezählt.

Die sehr positive Bilanz ist mit Vorsicht zu geniessen. Es gab im vergangenen Jahr mindestens zwei Zwischenfälle, die leicht in einer grösseren Katastrophe hätten enden können. Am 30. September explodierte einem Air-France-Airbus auf einem Flug von Paris nach Los Angeles ein Triebwerk. Glücklicherweise entstanden weder am Rumpf noch an den Flügeln grössere Schäden, sodass der A-380 mit seinen 550 Passagieren an Bord in Goose Bay an der US-Ostküste landen konnte.

Und im Dezember konnte in Fond-du-Lac in Kanada eine ATR 42 aus bisher unbekannten Gründen nicht genug steigen und krachte in den Wald und kam kurz vor einer hohen Stützmauer zum Stillstand. Einer der 22 Passagiere starb kürzlich aufgrund seiner Verletzungen.

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass es einer A-380 im Flug ein Triebwerk zerriss. Doch auch bei jenem Flug konnte der Qantas-Airbus wieder zum Ausgangsflughafen Singapur zurückkehren. Durch umherfliegende Trümmerteile wurde ein Treibstofftank aufgeschlitzt, die Satellitentelefone und die Hälfte der Bremsklappen ausser Gefecht gesetzt, die gesamte Flug- und Triebwerksteuerung beeinträchtigt.

Die Landung war eine historische Meisterleistung der Besatzung und rettete vermutlich 445 Passagieren das Leben. Fazit: Ein einziger grosser Unfall, und die Statistik wird auf den Kopf gestellt.

Untersuchungen helfen

Mit ein Grund für die laufend verbesserte Sicherheit im Flugbetrieb ist die Tatsache, dass Flugunfälle in der Regel sehr genau untersucht werden. Die technischen Erkenntnisse fliessen in den Flugzeugbau ein, sei es bei Triebwerken, bei der Zelle oder der Avionik. Ausbildungen und betriebliche Abläufe werden angepasst.

Die Iata hat als Verband vor einigen Jahren eine Sicherheits-Zertifizierungspflicht für ihre Mitglieder eingeführt. Bei diesen Zertifizierungen können Mängel aufgedeckt und beseitigt werden.