Der Lokalchef verliess die "Basler Zeitung" nach der Ankündigung des Verkaufs an Tamedia vom April. Früher zehn Jahre bei Telebasel, wollte sich der 1982 geborene Keller schon länger selbständig machen, wie er der Agentur Keystone-SDA sagte. Jetzt habe er ein Software-Tool gefunden, das den Schritt realistisch scheinen lasse.

Keller will der Gratiskultur vieler Onlinemedien aus dem Weg gehen, indem er seine Texte konsequent verkauft. Auf der "Prime News"-Homepage sind nur Titel, Lead und Bild kostenlos zu sehen; mehr kostet Geld. Videos sind erst angedacht; begonnen wird mit statisch illustrierten Texten - Ruhe ist Konzept.

Jemand bezahlt immer

Drei Wege bietet er an: Man kann 15 Sekunden Werbespot anschauen; dann bezahlt die betreffende Firma die Lektüre des betreffenden Textes. Oder man bezahlt mittels Mobiltelefonnummer via Provider-Rechnung einen Franken pro Text; die grossen Anbieter sowie Paypal sind dabei. Drittens gibt es Jahresabos für 69 Franken. Im Mai in Binningen BL als Einzelfirma gegründet, tritt Keller seit Mitte Juli mit GmbH in Basel auf.

Skepsis zum Geschäftsmodell kontert Keller mit Optimismus, dass eine solche einfache Bezahlmethode gute Chance habe gegenüber allen komplizierten bestehenden Modellen. Budgetzahlen verrät er nicht; nur sein Bruder - der die Werbeadministration macht - und er seien fest angestellt, wobei er selber vorerst keinen Lohn beziehe. Das Team ausbauen könne er bei Erfolg sehr schnell.

Zehn nach üblichen Ansätzen bezahlte freie Autorinnen und Autoren sollen helfen, täglich zwei neue Geschichten zu bieten. Letztere verortet Keller in der lokalen Nische, primär Basel samt Agglo, dazu das Baselbiet und Umgebung. Mit Hintergründen, Porträts und Kolumnen hat er ein Zielpublikum zwischen 30 und 65 Jahren im Visier.

Als Kleinfirma flexibel

Keller setzt auf die Software SmartWall der Lausanner Jungfirma SwissPay.ch. Diese macht mit nur zwei Klicks Texte zugänglich. Werbetreibende, die vorab namentlich genannt werden, bezahlen, wenn jemand ihre 15 Sekunden Spot anschaut.

Genügend Werbende für den Start seien vorhanden, sagt Keller. Schlank und ohne verlagsbedingte Rücksichten sei er flexibel. SmartWall bewähre sich schon bei zwei Zeitungen (der "La Liberté" in Freiburg und "Journal du Dimanche" in Frankreich), dort allerdings selektiv und adaptiert an Verlagsbedürfnisse.

Als gut vernetzter Journalist hat Keller bereits vor dem Start einen Primeur (zu personellen Konsequenzen beim BVB-Schienendebakel) via Facebook-Seite platziert und so für Erwähnungen und Aufmerksamkeit gesorgt. Am Montagabend - angekündigt war Dienstag - hat "Prime News" mit acht Texten losgelegt, unter anderem zu linken Hintergründen eines Saubannerzuges, dem Geschäftsgang in der Markthalle, Jazz-Bezügen zu New Orleans und einem Sponsorentext eines Baselbieter Weinhauses.

Stürmisches Umfeld

"Prime News" beackert kein braches Feld: Seit 1998 stellt Peter Knechtlis "OnlineReports" News und Geschichten gratis ins Netz, nach eigenen Angaben mit schwarzen Zahlen. Auch die 2011 gestartete "TagesWoche" publiziert laufend online, was mit der sparbedingten Reduktion der Printausgabe auf Zweiwochenrhythmus an Bedeutung gewinnt.

Multimedial unterwegs sind alle regionalen Anbieter, neben den Zeitungen auch Telebasel, das seinen Internet-Kanal stark forciert. 2015 ins Netz gegangen war als letztes das Onlineportal Barfi.ch des einstigen Radio-Basilisk-Mitgründers Christian Heeb. Mangels Werbeeinnahmen ist Barfi.ch heute in Nachlassstundung und sucht Partner.