In der Schlussphase stehen zwei Namen im Vordergrund: der frühere SIX-Chef Urs Rüegsegger (55) und Ex-Helvetia-Chef Stefan Loacker (49). Etliche Namen, die in den letzten Wochen in den Medien genannt wurden, sollen bereits aus dem Rennen sein. So etwa Martin Scholl (ZKB-Chef), Markus Hongler (Mobiliar-Chef), Roland Ledergerber (Chef St. Galler KB) sowie Hans-Ulrich Meister (Präsident von Implenia), aber auch Antoinette Hunziker-Ebneter (BEKB-Präsidentin).

Die meisten Kandidaten haben das Problem, dass sie nicht per sofort verfügbar sind. So etwa Martin Scholl, Markus Hongler oder Roland Ledergerber. Oder zuerst eine Cooling-off-Periode durchlaufen müssen wie Antoinette Hunziker-Ebneter. Nicht der Fall ist das bei Urs Rüegsegger und Stefan Loacker, die sofort antreten könnten. Da sie viel Erfahrung in der Finanzindustrie mitbringen, wären sie auch geeignet, die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz strategisch zu führen. «Es läuft auf die beiden Namen hinaus», sagt ein Insider.

Doch mit der Wahl des Präsidenten ist nur die Hälfte der Arbeit getan. Denn der neue Präsident muss gleichzeitig einen neuen operativen Chef einsetzen können. Viel deutet darauf hin, dass die jetzige Raiffeisen-Führung parallel zum Verwaltungsratspräsidenten auch den CEO sucht. Der neue Präsident kann sich somit gar nicht richtig in den Suchprozess einbringen. Es läuft darauf hinaus, dass er lediglich einen ihm vorgeschlagenen Kandidaten abnicken darf.

Das ist für die Raiffeisen-Banken nicht eben das beste Szenario, da das Gespann Präsident/Konzernchef über die nächsten Jahre am gleichen Strick ziehen muss. Das Duo muss harmonieren, sonst klappt der Umbau der Bankengruppe nicht.

Rückstellungen zugenommen

Ohnehin ist die Wahl eines neuen CEOs für die Zukunft der Raiffeisen die entscheidendere Personalie. Schliesslich ist es der Vorsitzende der Geschäftsleitung, der die Bank operativ im Griff haben muss, die Strategie entscheidend prägen wird und auch die Bank gegen aussen repräsentieren wird. Der Nachfolger von Patrik Gisel, der Ende Jahr aus dem Amt scheiden wird, sollte idealerweise bereits eine Bank geführt haben und somit auch eine bekannte Persönlichkeit der Schweizer Wirtschaft sein.

Das Wichtigste aber ist, dass er Kreditrisiken richtig einschätzen kann. Die Raiffeisen-Banken sind der mit Abstand grösste Hypothekar-Kreditgeber der Schweiz. Insgesamt sind 176 Milliarden Franken Schulden ausstehend. Seit Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren wuchs das Kreditportfolio der Bank stark an. Die Schweizerische Nationalbank hat im jährlichen Stabilitätsbericht mehrfach vor sogenannten Zinsänderungsrisiken gewarnt.

Dass das Zinsgeschäft der Bank zu einem Problem werden könnte, zeigte sich in der Erfolgsrechnung für das erste Semester 2018. Die «ausfallrisikobedingten Wertberichtigungen» sowie die Verluste aus dem Zinsgeschäft sind gegenüber der Vorjahresperiode um 12 Millionen Franken gestiegen. Noch bewegen sich die Zinsen auf einem Rekordtief und die Wirtschaft brummt.Wenn sich das ändert, könnten die Verluste markant zunehmen. Und dann braucht einen seetüchtigen Kapitän an Bord des Raiffeisen-Dampfers.