Die genaue Zahl kennt niemand. Aber es dürften jedes Jahr mehrere Milliarden Franken sein, die den Berufstätigen an Pensionskassen-Renditen entgehen. Ursache für die Umverteilung von Jung zu Alt ist das unergiebige Anlageumfeld, in dem sich die Vorsorgeeinrichtungen der zweiten Säule seit der Finanzkrise bewegen, und die steigende Lebenserwartung. Weil sie zu wenig Zinsen einnehmen, benötigen die Kassen einen Teil ihrer Renditen, um Renten zu finanzieren, die sie in früheren, besseren Zeiten zu hoch angesetzt hatten.

Die Folge: Bei den Berufstätigen wächst das Sparkapital weniger schnell, weil sie indirekt die Renten mitfinanzieren. Das sollte eigentlich nicht sein. Denn anders als bei der AHV mit ihrem Umlageverfahren spart bei der Pensionskasse jeder Versicherte für sich selbst.

Sammlung ab Februar

«Nur mit einer Pensionskassenrente, die sich laufend an das Anlageumfeld und die Lebenserwartung anpassen lässt, werden die Jungen nicht mehr benachteiligt», sagt Josef Bachmann (68). Der frühere Geschäftsleiter der PwC-Pensionskasse ist daran, für dieses Ziel eine Volksinitiative zu lancieren – und bricht mit ihr ein grosses Tabu. «Damit die Umstellung möglichst schonend gelingt, müssen wir Schritt um Schritt vorgehen und auch die heutigen Pensionäre mit moderat gekürzten Renten ihren Teil dazu beitragen», so Bachmann. Sein Initiativtext ist von der Bundeskanzlei bereits vorgeprüft, die Unterschriftensammlung für Anfang Februar terminiert.

Der Initiativtext befasst sich nicht mit den Details. Die Grundaussagen bergen aber auch so genug Brisanz. Denn die Renten gelten in der Schweiz als unantastbar. Versuche von Pensionskassen und Versicherungen, an diesem Tabu zu rütteln, erlitten vor den Gerichten bislang regelmässig Schiffbruch. Auch Bachmann selbst scheiterte mit dem Versuch, das PwC-Modell mit einem variablen Rentenanteil-Bonus auf Pensionierte auszudehnen, die vor der Einführung dieses Modells in den Ruhestand gegangen waren (siehe Kasten).

Kürzungen an bestehenden Renten vermied die Landesregierung bei ihrer Rentenreform tunlichst. Sie hatte sogar vor, die sinkenden Kassen-Neurenten mit 70 Franken mehr über die AHV etwas abzumildern. Trotzdem hatte die Reform im vergangenen Jahr keine Chance vor dem Volk.

Auch das Rentenalter für Pensionskassen und AHV möchte Bachmann anders gestalten. «Ein Aufschub der Pensionierung soll höhere Renten mit sich bringen. So lassen sich Kürzungen bei den Umwandlungssätzen kompensieren», sagt er.

Bachmann weiss, dass ihn ein sehr schwieriger Abstimmungskampf erwartet. «Wäre die Abstimmung über meine Initiative heute, würde sie bei den Stimmberechtigten haushoch durchfallen. Doch aus Gesprächen mit vielen Leuten weiss ich, dass selbst Rentner durchaus Verständnis für mein Volksbegehren aufbringen, wenn sie erkennen, wie sehr die Jungen zurzeit benachteiligt sind.» Es warte sehr viel Aufklärungsarbeit zu einer komplexen Materie auf ihn, ist sich der Initiant bewusst.