Bereits neun Firmen haben sich dieses Jahr an die Schweizer Börse gewagt. Einzig im Jahr 2007 waren es mehr. Damals machten zehn Unternehmen den Schritt. Doch trotz des grossen Andrangs ist die Erfolgsbilanz der Börsenneulinge äusserst bescheiden. Mit dem Sensorenhersteller Sensirion und der Medizinaltechnikfirma Medartis haben einzig zwei der neun Aktien zulegen können. Andere dagegen mussten deutlich Federn lassen. So verlor etwa die Firma Asmallworld, die sich als «Facebook für Reiche» sieht, fast zwei Drittel ihres Werts im Vergleich zum Ausgabepreis.

Stark an Wert eingebüsst haben auch die Aktien von Blackstone Resources. Das Unternehmen deckt unter seinem Dach «ein weites Spektrum von Rohstoffinvestments mit Explorationen, Produktionen und Rohstoffhandel weltweit» ab. Für Investoren bleibe vieles undurchsichtig, schrieb die Anlegerzeitung «Finanz und Wirtschaft» am Tag des Börsengangs. Mittlerweile sind die Aktien knapp 40 Prozent weniger wert als damals. Keine Freude haben die Anleger bislang an den beiden Biotechfirmen Obseva und Polyphor gefunden. Auch der Börsengang der Logistikfirma Ceva Logistics ist mit einem Wertverlust von 20 Prozent ein Misserfolg.

Gemeinsamkeiten für den Misserfolg dieser Börsenneulinge zu finden, ist schwierig. Während manchen Anlegern das Geschäftsmodell von Blackstone unklar erscheint, dürfte bei Asmallworld die fehlende Profitabilität Sorgen bereiten. Die beiden Biotechfirmen Polyphor und Obseva sind wie alle Unternehmen der Branche mit hohen Risiken behaftet, da die Ausfallrate neu zu entwickelnder Medikamente per se hoch ist.

Wachsen und investieren

Medartis und Sensirion dagegen sind mit einem Kursplus von über 50 Prozent seit dem Börsengang die eigentlichen Überflieger. Beide können – etwas weitgefasst – dem Industriesektor zugeordnet werden. Beide fallen mit ambitionierten Wachstumsplänen auf und sind auch bereit, dafür Geld zu investieren. Nimmt man die gestrigen Börsenreaktionen zum Nennwert, haben die Unternehmen die Erwartungen mit ihren Halbjahresergebnissen erfüllt.
So konnte Sensirion den Umsatz im ersten Halbjahr um 30 Prozent auf 90,2 Millionen Franken steigern. Werden Übernahmen ausgeklammert, wuchs die Firma aus eigener Kraft um 18 Prozent. Aufgrund des Börsengangs entstand allerdings ein Verlust von 2 Millionen Franken. Profitiert hat die Firma mit Sitz in Stäfa ZH vor allem von der Nachfrage nach Feuchtigkeits- und Temperatursensoren in der Automobilindustrie. Sensirion stellt daneben aber auch Gaszähler sowie Sensoren für Haushaltsgeräte, Klimatechnik und Industrieautomation her.

Bei Medartis drückten die Kosten des Börsengangs ebenfalls auf den Gewinn. Auf Stufe Umsatz dagegen legte das Basler Unternehmen mit einem Zuwachs von 23 Prozent auf 61 Millionen Franken markant zu. Die Firma stellt Platten und Schrauben her, um Knochenbrüche zu behandeln, die in Zusammenarbeit mit Chirurgen entwickelt werden. Medartis konzentriert sich auf kleinere Knochen, etwa im Bereich der Hand, des Fusses, der Schulter oder des Ellbogens. Angefangen hat das Unternehmen mit Gesichtsfrakturen.

Nachdem Medartis in Europa bereits eine starke Stellung innehat, will Geschäftsführer Willi Miescher nun in Nordamerika ausbauen. Dafür werden vor allem in den USA zusätzliche Aussendienstmitarbeiter angestellt. Bis diese aber geschult und in neuen Marktgebieten etabliert sind, dauere es bis zu zwei Jahren, sagte Miescher an einer Medienkonferenz in Basel. Die USA alleine machten etwa rund die Hälfte des Weltmarktes aus, unterstrich der Firmenchef die Bedeutung des Landes für Medartis.

SIG und Selecta könnten folgen

Angesichts der mageren Erfolgsbilanz der Neulinge ist es fraglich, wie gross die Lust der Anleger auf weitere Börsengänge ist. Dem Verpackungshersteller SIG Combibloc wird nachgesagt, dass er im September ankündigen wird, an die Börse zu gehen. Zudem soll sich auch Selecta in den Vorbereitungen dazu befinden, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Die Automatenbetreiberin befindet sich im Besitz der Private-Equity-Firma KKR, die mit einem Börsengang Kasse machen will. Zurückgekrebst sind dagegen der Bordverpfleger Gategroup und der Flughafendienstleister Swissport. Die beiden Unternehmen befinden sich im Besitz des hoch verschuldeten HNA-Konzerns aus China.