Seit diesem Monat ist die Firma Serafe für die Erhebung der Radio- und Fernsehgebühren zuständig. Sie hat die Vorgängerin Billag abgelöst. Die Rechnungen der Serafe haben für einiges Chaos gesorgt. In zahlreichen Fällen sind Personen aufgeführt, die gar nicht zum gleichen Haushalt gehören. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

1. Ich habe eine Rechnung der Serafe erhalten, auf der ein Nachbar aufgeführt ist , der zwar im gleichen Haus wohnt, aber nicht unserem Haushalt angehört. Was muss ich tun?

Die Serafe schreibt auf ihrer Rechnung, dass man sich bei Unstimmigkeiten direkt ans Einwohneramt des Kantons oder der Gemeinde wenden soll. Der Grund: Serafe hat die Daten aller Schweizer Haushalte von den Einwohnerämtern bezogen. In der Regel sollte deshalb ein Telefon beim zuständigen Amt genügen. Anfang Februar erhält Serafe von allen Kantonen die aktualisierten Daten. Auf dieser Basis wird dann eine neue Rechnung erstellt, die laut Serafe Mitte Februar eintreffen soll. Entgegen der Aussage einiger Einwohnerämter muss man die Korrektur bei der Serafe nicht separat melden. Die alte Rechnung könne man deshalb ignorieren. Jedoch sind mehrere Fälle bekannt, in denen Ämter aufgrund der Fülle der Meldungen nicht sofort reagieren oder Betroffene an die Serafe verweisen.

2. Ich habe meine neue Wohnsituation dem Einwohneramt bereits gemeldet. Dennoch enthält die Serafe-Rechnung noch die alten Angaben. Was ist schiefgelaufen?

Die Serafe spricht hier von einer Unschärfe. Denn die Daten, welche die Billag-Nachfolgerin für den ersten Rechnungsversand im Januar verwendete, stammen von Ende November. Serafe hat sich nach Absprache mit dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) dagegen entschieden, die Daten von Ende Dezember heranzuziehen. «Wir haben aufgrund der Festtage befürchtet, dass die Daten nicht rechtzeitig bei uns eintreffen», sagt Serafe-Sprecher Erich Heynen.

3. Was kann ich in diesem Fall tun?

Wichtig ist, dass man sich beim Einwohneramt vergewissert, dass die dortigen Daten korrekt und aktuell sind. «Wenn dies der Fall ist, erhalten die Betroffenen von Serafe Mitte Februar eine neue Rechnung», sagt Heynen. Die alte Rechnung könne man ignorieren.

4. Wieso hat die Serafe nicht einfach die Rechnungsdaten der Vorgängerin Billag übernommen?

Laut Bakom war dies nicht möglich. Im alten System seien die gemeldeten Personen die Schuldner der Rechnung gewesen. Bei der neuen Abgabe haften alle erwachsenen Mitglieder eines Haushalts solidarisch für die Rechnung. Eine An- und Abmeldung, wie früher bei der Billag, ist nicht mehr nötig.

5. Wäre es nicht einfacher, die Gebühren über die Bundessteuern zu erheben?

Im Rahmen der Revision des Radio- und Fernsehgesetzes wurde dies diskutiert. Parlamentarier der SVP, CVP, Grünliberalen und Grünen sympathisierten mit der Idee, das Geld für die SRG über die Steuern einzuziehen. Doch das Bakom winkte ab. Eine zentrale Erhebungsstelle sei die einfachste und günstigste Variante, sagte das Amt damals. Würden die Abgaben über die direkten Bundessteuern erhoben, käme dies teurer, da die Kantone 17 Prozent des Steuerertrags als Aufwandsentschädigung erhalten, so die Begründung.

6. Ich dachte, die Gebühr betrage seit diesem Jahr 365 Franken. Wieso steht nun auf der Rechnung ein anderer Betrag?

Das Bakom hat darauf bestanden, dass die Gebühren gestaffelt über das Jahr gleichmässig anfallen. Damit solle ein konstanter Geldfluss zugunsten der SRG sichergestellt werden. Deshalb wurden alle 3,6 Millionen Schweizer Haushalte in zwölf Gruppen eingeteilt. Nur jene in der Januar-Gruppe haben das Glück, lediglich eine Rechnung zu erhalten. Alle anderen 3,3 Millionen Haushalte bekommen zwei. Ein Beispiel: Ein Haushalt erhält eine Rechnung für die ersten fünf Monate bis Ende Mai – Kostenpunkt 152.10 Franken. Dann folgt eine zweite Rechnung für ein ganzes Jahr ab Juni 2018 bis Mai 2019 in der Höhe von 365 Franken. In diesem Beispiel zahlt ein Haushalt insgesamt 517 Franken und nicht wie angekündigt 365. Zwar sind damit die ersten fünf Monate des Jahres 2020 schon bezahlt, die Kosten fallen allerdings schon in diesem Jahr an.

7. Ist eine Ratenzahlung möglich?

Alle können wählen, ob sie die Rechnung einmal pro Jahr oder vierteljährlich zahlen wollen. Allerdings muss man selber aktiv werden. So gibt es auf der Rechnung einen sogenannten QR-Code, den man mit dem Smartphone und einer entsprechenden App einscannen kann. Der Link führt auf die persönlichen Einstellungen bei Serafe. Dort kann man bei «Zahlungsintervall» die Anpassung vornehmen. Wem dies zu kompliziert ist oder kein Smartphone hat, kann sich auch telefonisch an die Serafe wenden. Wichtig: Wer alle drei Monate eine Rechnung auf Papier möchte, bezahlt jedes Mal 2 Franken. Dies schreibt das Gesetz vor.

8. Ich verfüge über keinerlei Geräte, mit denen ich fernsehen und Radio empfangen kann. Muss ich dennoch zahlen?

Nein. Es gibt dafür ein Gesuchsformular bei der Serafe. Die Ironie daran: Das Formular ist unter www.serafe.ch/optingout abrufbar. Nur wer also ein internetfähiges Gerät wie Computer, Tablet oder Smartphone hat, kann darauf zugreifen. Das heisst aber auch, dass man damit ein Gerät besitzt, mit dem Fernsehen und Radio empfangen kann. Wer jährliche Ergänzungsleistungen zur AHV oder IV bezieht, kann sich ebenfalls befreien.

9. Wie wird kontrolliert, ob jemand tatsächlich keinerlei Empfangsgeräte besitzt?

Billag-Kontrolleure, die an der Haustüre klingeln, waren vielen bekannt. Diese Aufgabe übernimmt nun der Bund. Für die Überprüfung verfüge das Bakom über «entsprechend geschultes Personal», sagt ein Sprecher. Die Durchführung der Kontrollen erfolge nach Bedarf.