Bei der Fluggesellschaft zeichnet sich dieses Jahr ein Gewinn von einer halben Milliarde Franken ab, wie die Zeitung «Schweiz am Sonntag» mit Berufung auf übereinstimmende Aussagen von Firmeninsidern berichtet. Es winkt das zweitbeste Resultat in der Geschichte der Swiss.

Den definitiven Kassensturz gibt die Airline erst im März bekannt. Sprecher Stefan Vasic sagt aber: «Der EBIT wird voraussichtlich signifikant über dem Vorjahresniveau liegen.» 2014 betrug der operative Gewinn 347 Millionen Franken. Als Grund für die guten Zahlen nennt Vasic das «gute Kostenmanagement» und den niedrigen Ölpreis.

Ein Swiss-Kenner schätzt, dass der Ölpreis allein rund 200 Millionen ausmachen dürfte. Dem wirtschaftlichen Glanzresultat steht das schlechte Klima beim fliegenden Personal gegenüber. 2014 hatte die Airline erstmals die Mitarbeitenden umfassend nach ihrer Zufriedenheit befragt – mit ernüchterndem Resultat.

Die Piloten und Flight Attendants stellten der Führung unter CEO Harry Hohmeister ein schlechtes Zeugnis aus und bemängelten die fehlende Wertschätzung. Daraufhin lancierte Hohmeister mehrere Massnahmen, um das Klima zu verbessern. Dieses Jahr folgte eine zweite Umfrage.

Die «Schweiz am Sonntag» kennt die internen Resultate: Bei der Crew haben sich die Werte inzwischen sogar nochmals verschlechtert. Nur jeder dritte Pilot antwortete, er spüre einen grossen Zusammenhalt. Vor einem Jahr war es noch mehr als jeder zweite. Beim Kabinenpersonal liegt der Wert gar noch etwas tiefer.

Und auf die Frage, ob die Swiss ein grossartiger Arbeitgeber sei, sagten letztes Jahr 69 Prozent der Piloten «Ja». Nun sind es nur noch 44 Prozent. Bei den Flight Attendants sank die Zustimmungsquote von 50 auf 39 Prozent.

Einzig beim Bodenpersonal ist eine Verbesserung ersichtlich. Die Unzufriedenheit bei den Piloten gründe ohne Zweifel auf dem neuen Gesamtarbeitsvertrag, sagt Henning Hofmann, Geschäftsführer des Pilotenverbands Aeropers. Für die Airbus-Piloten bedeutet der seit April geltende Vertrag einige Einbussen.

Auch Denny Manimanakis, Präsident der Kabinen-Gewerkschaft Kapers, ist vom Resultat nicht überrascht: «Wir erkennen zwar die Bemühungen des Managements, das Klima zu verbessern, aber es gibt zu viele Rückschläge, die vieles wieder verpuffen lassen.»

So seien die Arbeitsbedingungen an Bord gewisser Flugzeuge deutlich verschlechtert worden, obwohl die Kapers protestiert habe. «Es mangelt seit Jahren an Respekt und Anerkennung.»