So teuer ist die Schweiz wegen des beinharten Frankens für einen österreichischen Touristen: Er erhält für 100 Euro gleich viel wie zu Hause für 65 Euro. Das heisst: Waren und Dienstleistungen sind für den Österreicher hierzulande um einen Drittel teurer. Was für ihn schlecht ist, freut umgekehrt den Schweizer: Er erhält für sein Geld mehr, wenn er in Österreich Ferien macht. Deshalb gönnt er sich dann oft ein höher klassifiziertes Hotel als in der Schweiz.

Prognose ist wetterabhängig

Die Berechnungen publizierte gestern das österreichische Statistikamt. Genau im richtigen Moment: Nämlich dann, wenn man sich darüber Gedanken macht, wohin man im Sommer verreisen möchte.

Was diese Zahlen für den Schweizer Tourismus bedeuten, hat gestern die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) erläutert: Gemäss ihren Prognosen dürfte 2015 die Zahl der Logiernächte in Schweizer Hotels um 0,6 Prozent sinken. Das sind rund 220 000 Übernachtungen weniger als 2014. Ob es nicht noch schlimmer kommt, hängt auch vom Wetter ab. Ist es schlecht, könnten die Logiernächte im Sommer stärker einbrechen. 

Problematisch ist nicht allein der Rückgang der Logiernächte. Der starke Franken führt auch dazu, dass insbesondere europäische Gäste auf Rabatte pochen dürften. Gemäss einer Umfrage des Branchenverbands Hotellerie Suisse erwarten zwei Drittel der befragten Hoteliers für das laufende Jahr eine negative Preisentwicklung. Ein Teil der einbrechenden Nachfrage wird also über Preisreduktionen wettgemacht.

Dazu sagt Daniela Bär, Sprecherin der Vermarktungsorganisation Schweiz Tourismus: «Dies trifft ausgeprägt im alpinen und ländlichen Gebiet zu.» Warum dies so ist, zeigen die Prognosen der KOF: In städtischen Gebieten wie Basel, Genf oder Zürich und der Zentralschweiz steigen die Logiernächte 2015 gegenüber dem Vorjahr. In Graubünden sinken sie um 3,4, im Wallis um 3,6 und im Tessin gar um 6 Prozent.

Dabei seien Preisreduktionen bei gleichbleibenden Kosten keine Langzeitstrategie für Hoteliers, sagt Daniela Bär: «Die Branche kann sich dies eigentlich nicht leisten. Dadurch werden die Margen geschmälert und letztlich fehlen die Mittel für künftige Investitionen.» Die Listenpreise liessen die Hoteliers zwar unverändert, aber die Zahl von Spezialangeboten und Packages nehme massiv zu: «Jeder involvierte Leistungserbringer verzichtet auf einen Teil seiner Einnahmen, um die Gästenachfrage möglichst hoch zu halten.»

Tourismusbilanz ist negativ

Die Umsätze der Schweizer Tourismusbranche kommen dabei gleich von zwei Seiten her unter Druck: Wegen des starken Frankens reisen weniger Gäste aus dem Ausland an. Gleichzeitig verbringen mehr Schweizer ihre Ferien im Ausland. Das führt dazu, dass gemäss KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm Schweizer demnächst erstmals mehr Geld im Ausland liegen lassen, als Ausländer in die Schweiz tragen. Mit ein Grund dafür ist, dass die Schweizer eben nicht nur ennet der Grenze ihre Freizeit verbringen, sondern auch einkaufen gehen. All dies führt dazu, dass die Wirtschaftsleistung des Tourismus 2015 um 2,1 Prozent tiefer ausfallen wird.

Asiaten geben am meisten aus

Herkunft Franken
Niederlande 130
Deutschland, Italien, Spanien und Tschechien 140
Schweiz, Frankreich und Belgien 160
Durchschnitt 169
Österreich und Schweden 180
Grossbritannien 190
Brasilien und Kanada 200
Israel, USA, Malaysia, Australien 220
Russland 230
Luxemburg, Indien und Südkorea 240
Singapur 300
China und Indonesien 330
Japan 350
Golfstaaten 430

Quelle: Tourismus Monitor Schweiz 2013

Immerhin verbessert sich das Wirtschaftsklima in Europa und in den USA, was dazu führt, dass ab 2016 die Logiernächte wieder ansteigen sollten. Weiter meiden werden hingegen die Deutschen die Schweiz. Sie waren 2014 mit 4,4 Millionen Übernachtungen noch immer die gewichtigste Gästegruppe. Die Verluste bei den Logiernächten mit Kontinentaleuropäern werden aber abgefedert dank der Zunahme von Gästen aus Wachstumsmärkten wie Asien oder den Golfstaaten.

Chinesen generierten 2014 erstmals mehr als eine Million Logiernächte. Damit belegt China als Herkunftsland nun den fünften Rang. Allerdings reisen sie anders als Deutsche, sagt Daniela Bär: «Plakativ ausgedrückt: Der Chinese besucht die Highlights, der Deutsche die authentischen, verwunschenen Seitentäler und Geheimtipps.» Die Verlierer beim Europageschäft, die kleinen Bergdörfer, profitieren nicht direkt vom boomenden Asiengeschäft.

Das hat für sie noch einen weiteren Nachteil: Für Deutsche ist Geiz geil. Im Schnitt geben sie 140 Franken pro Tag in der Schweiz aus. Chinesen kaufen, wie auch andere Asiaten, gerne ein, insbesondere Uhren. Sie lassen täglich 330 Franken liegen. Noch spendabler sind nur Japaner und Touristen aus den Golfstaaten.