Der Umbau des UBS-Hauptsitzes an der Bahnhofstrasse in Zürich ist im vollen Gang. Auf der Management-Etage wird, so die ersten Pläne, auch ein Fitness-Raum eingebaut.

Einer, der diesen Raum künftig besonders benutzen wird, ist neben Konzernchef Sergio Ermotti auch Axel Lehmann. Der Risiko-Manager der Zurich Versicherungsgruppe wechselt zur UBS und übernimmt dort ab nächstem Jahr den Job als Chief Operating Officer (COO) der Bank.

Auf diesen Zeitpunkt tritt Lehmann bei der Zürich aus, wo der 56-jährige Schweizer seit 1996 tätig ist. Und er legt auch sein Amt als UBS-Verwaltungsrat nieder, das er seit 2009 innehat.

Die grosse Rochade an der Spitze der Schweizer Grossbank wurde gestern kommuniziert. Tom Naratil, der heute sowohl UBS-Finanzchef als auch COO ist, wird danach Chef der Amerika-Einheit der UBS. Kirt Gardner wird neuer UBS-Finanzchef.

«Nachdem wir Anfang des Jahres unsere strategische Transformation abgeschlossen haben, vervollständigt sich jetzt das Team, das die nächste Wachstumsphase der Bank gestalten wird», kommentierte Ermotti die Rotation auf der Teppichetage.

Axel Lehmann gilt als einer der fähigsten Manager der Schweiz. Gleichzeitig hat er sich nie in den Vordergrund gedrängt. Er wurde schon vor der Ernennung Ermottis als UBS-Chef gehandelt, galt lange als Top-Anwärter auf den Posten als Zurich-Chef und wurde zudem auch schon als neuer Baloise-Chef gesehen.

Letzte Woche hat sich der Verwaltungsrat der «Basler» jedoch auf den Belgier Gert De Winter festgelegt.

Lehmanns Gesellenstück bei der «Zurich» war der Umbau der Amerika-Einheit, die er von 2004 bis 2007 leitete.

Jahrelang verdiente die Firma dort wenig Geld. Lehmann liess die Versicherungskontrakte systematisch durchforsten und kürzte nichtrentable Bereiche.

Der «Zürcher» in den USA

Heute gehört die Zurich dank dieser sanierten Amerika-Einheit zur weltweiten Spitzengruppe in der Branche. Vor seiner Zeit in den USA organisierte er die Führungsstruktur der Gesellschaften neu.

In die Geschichte der Firma wird Lehmann wegen seiner Rolle als Risikomanager in der vergangenen Finanzkrise eingehen. Die grösste Versicherungsgruppe der Schweiz hat diese ohne heftige Blessuren überstanden, auch wegen des strikten Risikomanagements.

Dies im Vergleich zu anderen global tätigen Versicherungsgruppen, wie die amerikanische AIG, die aufgrund ihrer Bank-Einheiten in Schieflage geriet. Lehmann und der damalige Anlage-Chef der «Zurich», der heutige Konzernchef Martin Senn, hatten für die Gefahren, die in den als Wunderprodukte gehandelten Finanzderivaten steckten, einen guten Riecher.

2009 wurde Lehmann in den Verwaltungsrat der UBS berufen. Just bei der Bank also, die wegen dieser Finanzprodukte in den Strudel der Finanzkrise geriet und Milliarden abschreiben musste. Nun übernimmt Lehmann operativ mehr Verantwortung.

Nicht nur ein «Kostenkiller»

Lehmann wird jedoch nicht nur als «Kostenkiller» bezeichnet, sondern auch einer, der durchaus Risiken eingehen will: «Der Finanzsektor lebt davon, Risiken einzugehen – aber sie müssen bedacht eingegangen werden», sagte er in einem Interview gegenüber der «Financial Times».

Bei der UBS sind beide Fähigkeiten gefragt: Die Grossbank muss entscheiden, wo sie in den nächsten Jahren die Kosten senken will, und, in welche Bereiche sie künftig ihr Kapital investiert.

Der Entscheid, nochmals «in die Hosen» zu steigen, hat zur Folge, dass die Wissenschaft einmal mehr auf Lehmanns Beiträge warten muss.

Sein einstiger Doktorvater an der Universität St. Gallen, Matthias Haller, hat eine akademische Laufbahn Lehmanns seit seiner Studienzeit, die er mit der Dissertation abgeschlossen hatte, immer unterstützt. Ob sich Lehmann im «Haifischbecken» einer Grossbank durchsetzen kann, ist eine andere Frage.

Klassische Banker sehen in den Risikomanagern ihre natürlichen Feinde. Hier könnte Lehmann seine Dissertation konsultieren.

Der Titel: «Dienstleistungsmanagement zwischen industriell-orientierter Produktion und zwischenmenschlicher Interaktion» wirkt wie eine Art Anleitung für seinen Job. Schafft er den Sprung, könnte Lehmann dereinst auch den UBS-Chefsessel beerben.