Die Aussagekraft einer Statistik ist abhängig von der Qualität der Daten, die sie repräsentiert. Ist die Menge der zugrundeliegenden Beobachtungen klein oder ist der Einfluss einzelner Beobachtungen besonders gross, kann die Statistik unerwartete Ergebnisse produzieren. Die Schweizer Wirtschaftsstatistiken sind anfällig für solche Verzerrungen, wie der überraschende Rückgang der Wirtschaftsleistung im dritten Quartal wieder einmal zeigt.

Die Ökonomen des Bundes hatten mit einem fortgesetzten Wachstum etwa im Rahmen des bisherigen Jahresverlaufes von durchschnittlich etwas mehr als 0,7 Prozent pro Trimester gerechnet. Daraus wären bis zum Jahresende die vom Seco erst gerade im September prognostizierten 2,9 Prozent geworden, die das Bruttoinlandprodukt 2018 zulegen soll.

Doch die Statistik hat den Prognostikern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt weiter zu wachsen, ist die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartal zum Erstaunen aller Auguren um 0,2 Prozent geschrumpft.

Doch die Statistik sagt oft nur die halbe Wahrheit, weiss der erfahrene Prognostiker Yngve Abrahamsen von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich und nennt diverse Faktoren, die zu dem erklärungsbedürftigen Ergebnis geführt haben: Nicht zum ersten Mal haben hierzulande ansässige Organisationen wie die Fifa oder das IOC mit der Verbuchung der Lizenzeinnahmen aus den weltweiten TV-Übertragungsrechten für statistische Verwirrung gesorgt.

Während die Einnahmen, die tatsächlich vor allem buchungstechnischer Natur sind, in den ersten zwei Quartalen des Jahres eine Aufblähung der Exporte von Dienstleistungen bewirkten (insbesondere durch die Olympischen Winterspiele in Südkorea im Februar), führte das Ausbleiben solcher Einnahmen im dritten Quartal zu einem statistischen Einbruch.

Auch die Pharmaindustrie, die einen Grossteil der Wertschöpfung im Export verantwortet, sorgt immer wieder für erratische Bewegungen in der Ausfuhrstatistik. So waren die Ausfuhren im dritten Quartal ungewöhnlich niedrig, was noch keine längerfristige Trendaussage zulässt.

Schliesslich führte der niedrige Wasserstand im Sommer zu einer geringeren Stromproduktion. Abrahamsen schätzt, dass die Wirtschaft ohne die genannten Sondereinflüsse im Berichtsquartal nicht geschrumpft, sondern um vielleicht 0,2 Prozent gewachsen wäre.

Zwischenhoch schon vorbei

Allerdings ist auch dieser Wert noch ziemlich tief, denn um die Seco-Prognose erreichen zu können, hätte die Wirtschaft im zweiten Halbjahr gegen 1,5 Prozent wachsen sollen. Von diesem Zielpfad ist sie also ziemlich weit abgekommen.

Deshalb sagt Abrahamsen, er werde seine eigene Prognose für das Schweizer BIP im laufenden Jahr von 2,9 Prozent demnächst nach unten revidieren müssen. Eine dramatische Korrektur werde er nicht vornehmen müssen, aber immerhin eine, die deutlich genug anzeigt, dass die Wirtschaft den Zenit des vor gut zwei Jahren in Gang gekommenen Zwischenhochs bereits wieder hinter sich gelassen hat.

So gesehen mag das vorliegende Quartalsergebnis als Vorbote für den weiteren Konjunkturverlauf etwas vorlaut erscheinen, aber in der Tendenz liegt das Quartal durchaus im erwarteten Trend. Der Chor der Konjunkturauguren rechnet für das nächste Jahr mit einer moderaten Wachstumsverlangsamung sowohl in Europa als auch in den USA und damit auch in der Schweiz.

Doch viele Ökonomen warnen, dass die Prognoserisiken vor dem Hintergrund des weiter schwelenden Handelskrieges und der hohen globalen Verschuldung weit höher sind als üblich und allfällige Überraschungen vor allem negativer Natur sein dürften.