Normalerweise stellt Apple an seinen Konferenzen mit grossem Tamtam neue Geräte vor: Etwa die Apple-Uhr oder die neuste Generation des iPhones. Doch als Konzernchef Tim Cook die Bühne in Cupertino (Kalifornien) betrat und die Show startete, die weltweit auf Hunderten News-Portalen live übertragen wurde, sagte er: «Diesmal wird es ein ganz anderer Anlass sein.» Cook präsentierte keine Hardware, sondern neue digitale Dienste: Abonnements für Filme, Spiele und Nachrichten.

Apple ist zwar dank dem iPhone zum wertvollsten Unternehmen der Welt geworden. Aber die Verkäufe flachen ab, Konkurrenten wie Huawei oder Samsung wachsen schneller. Cook will die Abhängigkeit von seinem über zehnjährigen Bestseller verringern. Die Umsätze der Zukunft sollen aus Abonnements kommen. Die «Financial Times» zitierte einen Analysten, der die Strategie so auf den Punkt brachte: «Apple versucht, ein Netflix für jedes und alles zu werden: Für Musik, News, Magazine, Videos und Games.»

Konkret kündigte Cook folgende Abo-Dienste an:

  • Video-Streamingdienst: Unter dem Namen «Apple TV Plus» soll im Herbst ein werbefreies Film- und Serienangebot auf den Markt kommen. Der Preis: noch unbekannt. Apple wird Milliarden in diesen Effort stecken – frühere Versuche, ins Video-Geschäft einzusteigen, schlugen fehl. Um seiner Ambition Ausdruck zu verleihen, holte Cook gestern die Hollywood-Ikone Steven Spielberg auf die Bühne.
  • Spiele: Apple lanciert einen eigenen Game-Dienst, mit dem Spieler für eine Monatsgebühr Zugriff auf unzählige Computerspiele haben, und zwar in rund 150 Ländern. Ob die Schweiz dazugehört, wurde noch nicht verraten. Ebenso wenig, was das Abo kostet.
  • News-App: Von diesem elektronischen Zeitungskiosk kennt man den Preis – nämlich 10 US-Dollar im Monat. Vorerst ist das Angebot nur in Nordamerika verfügbar, später soll auch Europa dazukommen. Rund 300 englischsprachige Zeitungen und Magazine soll man für diese Monatsgebühr lesen können, darunter «Rolling Stone», «Vogue» und das «Wall Street Journal». Einige Verleger sehen die Apple-News-App als Chance, andere als Bedrohung. Weil Apple rund 50 Prozent der Abogebühren für sich behält, verweigern die zwei prestigeträchtigsten US-Blätter, «New York Times» und «Washington Post», die Zusammenarbeit mit Apple.

Darüber hinaus gab Cook auch die Lancierung einer eigenen Kreditkarte bekannt, die in Verbindung mit dem Bezahldienst Apple Pay genutzt werden kann. Es sei «die grösste Kreditkarten-Innovation seit 50 Jahren», sagte Cook grossspurig. Hierzu arbeitet der hippe Apple-Konzern mit der konservativen Wall-Street-Bank Goldman Sachs zusammen. Die dürfte Apple-Fans nicht wirklich sympathisch sein – aber der (Geschäfts-)Zweck heiligt auch für Apple alle Mittel.