Wieso erhöht das Fed die Zinsen um ein Viertel Prozent?

Die wirtschaftliche Erholung in den USA zeichnete sich schon seit Wochen ab. Zwei Faktoren gaben den Ausschlag, dass die US-Notenbank (Fed) die Leitzinsen zum ersten Mal seit fast 10 Jahren wieder erhöhen konnte: Die Inflation und die Arbeitslosigkeit. Der US-Arbeitsmarkt befindet sich aktuell auf angespanntem Niveau und die Inflation stieg kürzlich auf 2 Prozent an. Es handelt sich damit um eine der weitreichendsten Entscheidungen für die Finanzwelt der vergangenen Jahre. Der geldpolitische Ausnahmezustand, wurde aufgehoben. Mehr noch: Die Finanzkrise wurde damit als beendet erklärt.

Was sind die konkreten Folgen für die Schweiz?

Direkte Konsequenzen hat die Entscheidung in den USA keine. Da die USA jedoch die grösste Volkswirtschaft ist, und der Dollar die weltweit wichtigste Währung, sind die positiven Signale aus den USA auch hierzulande zu spüren. Weil es der US-Wirtschaft offensichtlich besser geht, können Schweizer Unternehmen tendenziell mehr Waren — Uhren, Maschinen, Schoggi oder Medikamente — über den grossen Teich exportieren. 

Wann steigen auch in der Schweiz die Zinsen?

Mit einem Negativzins von minus 0,75 Prozent hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) vor einem Jahr Strafzinsen für Banken, die das Geld bei ihr parken, eingeführt. So schnell wird sich an dieser Politik nichts ändern. Denn die Geldpolitik der SNB ist stark vom Verhalten der Europäischen Zentralbank abhängig. Würde die SNB vorpreschen, würde der Franken erstarken. Doch die Wirtschaft in Europa ist noch nicht robust genug für eine Zinswende. Im Gegenteil: Die EZB flutet derzeit die Märkte noch mit billigem Geld. Immerhin: Der Druck auf den Schweizer Franken nimmt spürbar ab.

Wann steigen in der Schweiz die Hypothekarzinsen?

Die Hypothekarzinsen für Hausbesitzer in sind abhängig von den Zinsen, die die SNB von den Banken verlangt. Experten rechnen nicht damit, dass diese Zinsen rasch ansteigen. Möglich ist, dass die langjährigen Hypothekarzinsen ansteigen. Dies war jedoch ironischerweise schon in diesem Jahr zu beobachten, trotz der Negativzinsen.

Wie reagieren die Börsen nach dem US-Zinsentscheid?

Das positive Signal aus den USA führt dazu, dass die Unternehmen mehr Geschäfte machen können. Das führt zunächst zu höheren Bewertungen der Firmen an der Börse. Diese positive Grundstimmung beflügelt derzeit die Börsen in Europa und Asien. Der Wert des Goldes sinkt hingegen und tendenziell leiden auch die anderen Rohwaren, die in US-Dollar gehandelt werden. Längerfristig werden sich die Anleger Gedanken über eine Neupositionierung machen müssen. In Zeiten des billigen Geldes gab es zu den Aktien praktisch keine Alternativen. Steigen die Zinsen, werden grosse Pensionskassen auch nach Obligationen Ausschau halten.

Wird der Dollar nach dem Zinsentscheid jetzt stärker?

Steigen die Leitzinsen, verteuert sich automatisch auch der Wert des Geldes. Das hat im Fall der USA zur Folge, dass der Dollar härter wird. Dies bekommen Touristen, die den USA oder in Asien Ferien machen, eventuell schon im Sommer 2016 zu spüren. Auf der anderen Seite werden US-Touristen vermehrt in die Schweiz reisen. In den ersten Stunden nach der Zinsentscheidung hat sich der Dollar-Kurs nicht stark bewegt. Viele Anleger hatten den Schritt des Fed bereits erwartet.