Die Swisscom ändert ihr bestehendes Internetangebot. Die Firma nimmt dabei die Gelegenheit wahr, um an der Tarifschraube zu drehen. Ab 1. Oktober surft ein Grossteil der Swisscom-Kunden mit zusätzlicher Geschwindigkeit. Einige davon müssen für die höhere Leistung aber auch tiefer in die Tasche greifen – und zwar ohne, dass sie dafür ihr Einverständnis gegeben hätten.

Betroffen sind sowohl Neukunden als auch alle Bestandskunden eines «InOne home Internet S» oder «Vivo XS»-Abos. Erstere zahlen nach zwei Monaten Übergangszeit – also ab Dezember – neu 65 statt 60 Franken. Im Gegenzug erhalten sie Geschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde zum Download (bisher 40) sowie 50 Mbit/s zum Upload (bisher 8). «Vivo XS»-Kunden müssen 95 statt 89 Franken bezahlen. Sie erhalten ebenfalls mehr Leistung.

Wer die automatische Anpassung nicht wünscht und weiter sein bisheriges, günstigeres Angebot nützen möchte, muss selber aktiv werden und sich mit der Swisscom in Verbindung setzen. So heisst es in einem Schreiben, das der Telekomkonzern in den letzten Tagen an seine Kunden verschickt hat.

Kleine Preiserhöhungen

Die Taktik, im Zuge von Angebotsanpassungen kleine Preiserhöhungen vorzunehmen, ist in der Branche altbekannt. Der grösste Schweizer Kabelnetzbetreiber UPC setzte sie zuletzt immer wieder ein und konnte seinen Umsatz dadurch trotz Kundenschwunds steigern. Das Kalkül ist klar: Schweizer Kunden reagieren bekanntlich relativ träge auf geringe Preisveränderungen. Damit zahlen sich kleine, schrittweise Erhöhungen in der Regel aus. Das Unternehmen verliert zwar Kunden, doch die bestehenden bezahlen gerade so viel mehr, dass sich der Verlust nicht in einer Umsatzeinbusse niederschlägt.

Dass die Swisscom nun ebenfalls auf diesen Zug aufspringt, ist allerdings eine Premiere – zumindest, was das Internetangebot betrifft. Auf Anfrage rechtfertigt ein Swisscom-Sprecher das Vorgehen: «Wir sind überzeugt, dass die Leistungssteigerung die geringe Erhöhung des Preises aufwiegt.» In anderen Bereichen habe es in der Vergangenheit bereits punktuell Preiserhöhungen gegeben. Man habe ausserdem die Abstände zwischen «InOne home Internet S» und «Vivo XS» und den restlichen Paketen verringern wollen – bei den übrigen Swisscom-Abos sind trotz besseren Leistungen keine Preiserhöhungen vorgesehen. Zudem gilt: Die Tarife werden nur bei jenen Kunden angepasst, die an ihrem Wohnort auch tatsächlich von den neuen Geschwindigkeiten profitieren.

Konsumentenschutz verärgert

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) bemängelt das Vorgehen der Swisscom. «Wir haben UPC jahrelang für sein Vorgehen kritisiert. Dass die Swisscom es dem Kabelnetzbetreiber nun gleichtut, ist inakzeptabel», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der SKS. «Es geht nicht an, dass man den Kunden etwas aufs Auge drückt, was diese womöglich gar nicht wollen.» Aufgrund von Anfragen verärgerter Kunden will sich Stalder nun einschalten: «Wir werden uns mit der Swisscom in Verbindung setzen und fordern, die geplanten Preiserhöhungen zurückzuziehen.»