Im dritten Quartal 2018 ist die Arbeitslosenquote gemäss Internationalen Arbeitsamt (ILO) auf 4,4 Prozent abgesunken. Diese Kennzahl wird quartalsweise vom Bundesamt für Statistik (BfS) vermeldet. Zum Vorjahr ist das ein Rückgang um 0,6 Prozentpunkte. Der Boom scheint endlich am Arbeitsmarkt angekommen zu sein.

„Die Zahlen zeigen nun den Rückgang der Arbeitslosenquote, der aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung zu erwarten war“, sagt  Michael Siegenthaler hin, der Arbeitsmarkt-Experte der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich.

Der Rückgang sei umso eindrücklicher, da die Arbeitslosenquote normalerweise im dritten Quartal ansteigen würde. In dieser Zeit strömen viele Abgänger aus der Lehre oder der Universität auf den Arbeitsmarkt – und finden nicht sofort eine Stelle.

Boom geht an älteren Arbeitnehmern vorbei

Doch an den älteren Arbeitnehmern scheint der Aufschwung noch immer eher vorbei zu gehen. In der Medienmitteilung des BfS zum dritten Quartal ist es nur in einem Nebensatz erwähnt. Aber die Arbeitslosenquote laut ILO ging für 50- bis 64-Jährige nicht etwa zurück. Im aktuellen Boom wäre dies zu erwarten gewesen. Im Gegenteil, sie stieg von 3,5 Prozent an auf 3,8 Prozent.  

Damit scheint sich ein unerfreulicher Trend fortzusetzen. Auf diesen hatte der Chefökonom des Gewerkschaftsbundes, Daniel Lampart, schon im Frühling hingewiesen. „Die Arbeitslosigkeit ist in der Altersgruppe der 55plus in den letzten Jahren stärker angestiegen als die Arbeitslosigkeit insgesamt“, schrieb Lampart in einem Positionspapier „Insbesondere in den Jahren 2016 und 2017 öffnete sich eine Schere.“

Auch für den gesamten Arbeitsmarkt, über alle Altersklassen hinweg, hatte die Entwicklung der Arbeitslosigkeit zuvor lange negativ überrascht. Trotz der kräftig wachsenden Wirtschaft erhöhte sich die Arbeitslosenquote laut ILO im zweiten Quartal auf 4,6 Prozent. Im Vorjahresquartal lag sie bei 4,4 Prozent. «Wir waren etwas negativ überrascht von diesen Zahlen», sagte Michael Siegenthaler damals, Arbeitsmarktexperte bei der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH.

Nun ist immerhin für den gesamten Arbeitsmarkt die „richtige“ Arbeitslosenquote gesunken. In der Schweiz wird nämlich vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die so genannte „registrierte Arbeitslosigeit“ herausgegeben. Diese Statistik erfasst alle Arbeitnehmer, die bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren gemeldet sind.

Nur die Hälfte aller Arbeitslosen gezählt

Diese Arbeitslosenquote nach Seco hat schon 2017 den Höhepunkt in diesem Konjunkturzyklus überschritten. 2018 sank sie nochmals deutlich ab. Oftmals wurde von der tiefsten Arbeitslosigkeit seit zehn Jahren gesprochen.   

Doch die Arbeitslosenquote nach Seco ist verzerrt, wie unter anderem der Arbeitgeberverband einmal in einer Analyse festhielt. «Sie unterschätzt unter anderem die Langzeitarbeitslosigkeit und auch die Jugendarbeitslosigkeit», wie Simon Wey schrieb, Ökonom beim Arbeitgeberverband. Mehr als die Hälfte aller arbeitslosen Personen in der Schweiz sei nicht bei einem RAV gemeldet und somit in der registrierten Arbeitslosenquote nicht erfasst.

Mittlerweile hat sich das Problem noch verschärft. Gemäss den letzten Zahlen waren von total 216000 Arbeitslosen nur 88000 bei einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum registriert. Mit anderen Worten: Die Arbeitslosenquote nach Seco erfasst inzwischen deutlich weniger als die Hälfte von der tatsächlichen Arbeitslosigkeit, bloss noch 40 Prozent.

Unglückliche Bezeichnung

Ein genaueres Bild über die Zahl der Arbeitslosen in der Schweiz gibt die Arbeitslosenquote, die vom Bundesamt für Statistik erhoben wird nach den Vorgaben des Internationalen Arbeitsamts (ILO). Diese Arbeitslosenquote wird „Erwerbslosenquote“ bezeichnet.

Diese etwas unglückliche Bezeichnung erweckt den falschen Eindruck erweckt, es handle sich dabei um etwas anderes als eine Arbeitslosenstatistik. Entsprechend findet sie vergleichsweise wenig öffentliche Beachtung.

Dabei ist die Erwerbslosenquote der Arbeitslosenquote des Seco «in fast allen Belangen überlegen», sagt Wey vom Arbeitgeberverband. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich empfiehlt darum schon seit Längerem, die Erwerbslosenquote umzubenennen in «Arbeitslosenquote gemäss ILO».

Dennoch liefert auch die registrierte Arbeitslosenquote des Seco wertvolle Daten, etwa über den aktuellen Trend am Arbeitsmarkt. So wird die Seco-Statistik jeden Monat ausgewiesen und nicht wie die Erwerbslosenquote nur quartalsweise.