Herr Blocher, Sie beteiligen sich zu 20 Prozent an der Baz-Holding, welche die «Basler Zeitung» herausgibt. Viele Leute dachten, Sie seien schon längst an der «Basler Zeitung» beteiligt.

Christoph Blocher: Nein, bisher war ich nur als Sanierer tätig. Herr Tettamanti, der via Medienvielfalt-Holding (MVH) die Mehrheit an der Baz-Holding besitzt, ist kein Industrieller und hat mich deshalb gebeten, diese Umstrukturierung zu übernehmen. Das habe ich getan und auch Risiken übernommen. Dabei habe ich mich unter anderem bei der Druckereischliessung, der Übernahme von Immobilien und der Sanierung der Pensionskasse finanziell engagiert.

Wie viel Geld haben Sie persönlich in die Sanierung der «Basler Zeitung» gesteckt?

Über detaillierte Zahlen will ich keine Auskunft geben. Das können Sie meine Sorge bleiben lassen. Über meine Gesellschaft Robinvest übernehme ich jetzt aber Darlehen in der Höhe von 40 Millionen Franken. Das zeigt, dass ich an den Erfolg der «Basler Zeitung» glaube.

Wieso kommt Ihre offizielle Beteiligung erst jetzt?

Bisher stand das schlicht nicht zur Diskussion. Auch jetzt bin ich nicht auf Herrn Tettamanti zugegangen, sondern er auf mich. Nach meinem Engagement bei der Sanierung wollte mir Herr Tettamanti die Möglichkeit geben, mich am Gewinn zu beteiligen, den die Firma in Zukunft hoffentlich erwirtschaften wird.

Sie zahlen für 20 Prozent des Aktienkapitals 306’000 Franken. Das heisst die ganze Baz-Holding hat noch einen Wert von etwas mehr als 1,5 Millionen Franken. Nicht gerade viel für eine Zeitung und einen Verlag.

Sie müssen bedenken, dass die Firma nach wie vor Schulden hat. Für beide Seiten stimmt der Preis.

Ist es möglich, mit der «Basler Zeitung» Geld zu verdienen?

Ja, Geld verdienen schon – aber man macht es nicht, um reich zu werden. Bei Engagements in Medienunternehmen muss immer auch eine ideelle Zielsetzung mitspielen. Ich will der Medienvielfalt Holding helfen, die Medienvielfalt zu sichern und einen medialen Einheitsbrei verhindern. Alle grösseren lokalen Tageszeitungen gehören heute den grossen Zürcher Verlagen NZZ und Tamedia. Das ist nicht gut.

Wenn es nicht in erster Linie darum geht, Geld zu verdienen, dann kann es Ihnen doch nur um politische Einflussnahme gehen.

Nein, ich nehme keinen Einfluss auf die Redaktion. Wenn gewährleistet ist, dass die Zeitung an sich unabhängig ist, reicht das. Wer die «Basler Zeitung» liest, kann jeden Tag sehen, wie vielfältig und ausgewogen das Blatt ist. Die Zeitung wird immer besser.

Die «Basler Zeitung» druckt aber bei Tamedia in Zürich. Machen Sie sich dadurch nicht abhängig?

Nein. Wir können frei wählen, wo wir drucken. Tamedia hat einfach das beste Angebot gemacht, aber es gab viele andere Interessenten. Wir könnten jederzeit einen neuen Auftrag ausschreiben.

Seit Sie in Zürich drucken, hat die «Basler Zeitung» einen früheren Redaktionsschluss. Spielt der FC Basel in der Champions League, haben viele Leser das Resultat am Morgen nicht in der Zeitung.

Nur die Leser ausserhalb von Basel waren bisher benachteiligt. Aber wir haben das Problem erkannt und eine Lösung liegt auf dem Tisch.

Sie haben immer von einer «Basler Zeitung nackt» gesprochen, die nur aus der Zeitungsredaktion und einem kleinen Verlag bestehen soll. Wie weit ist dieser Prozess fortgeschritten?

Dieses Ziel wird Ende 2013 erreicht, das Vorhaben ist konzeptionell abgeschlossen, bis Ende Jahr durchgesetzt.

Keine weiteren Abbaupläne?

Nein, sicher nicht im grossen Rahmen. Ich kann aber natürlich nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass es in den nächsten zehn Jahren nie mehr zu einer Entlassung Einzelner kommt. Das ist dann aber Sache der operativen Führung.

Bis wann schreibt die «Basler Zeitung» keine Verluste mehr?

Ende dieses Jahres sollte eine schwarze Null stehen. 2014 rechnen wir dann wieder mit einem Gewinn.

Was machen Sie mit den Immobilien, die Sie der Baz-Holding abgekauft haben?

Lassen Sie auch dies meine Sorge sein. Ich bin Unternehmer. Gehen Sie davon aus, dass ich für die Objekte eine finanziell sinnvolle Lösung finde.

Es gab Gerüchte, dass Sie eine Übernahme des Zürcher «Landboten» planen. Was ist da dran?

Nichts. Die Sache ist doch einfach. Tamedia ist zu 20 Prozent am «Landboten» beteiligt. Ich gehe davon aus, dass sich Tamedia ein Vorkaufsrecht gesichert hat. Es ist deshalb klar, wer zum Zug kommt, falls der «Landbote» tatsächlich verkauft werden sollte. Ich habe kein Konzept für weitere Zeitungen und bin damit zufrieden, mitzuhelfen, dass die Zukunft der «Basler Zeitung» - als grösste unabhängige Tageszeitung - gesichert werden kann.