«Der Kampf gegen Malaria ist eine Erfolgsgeschichte.» Im Urteil von Margaret Chan, Generaldirektion der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf, ist dieser Kampf seit Beginn des Jahrhunderts für das öffentliche Gesundheitswesen beispiellos geblieben. Gut möglich, dass sich die frühere UNO- Diplomatin kurz vor ihrem Ausscheiden im Sommer noch etwas Selbstbeweihräucherung gönnen wollte.

Doch objektiv lässt sich feststellen, dass die von kleinen Moskitos übertrage- ne, heimtückische Infektionskrankheit, seit der Jahrtausendwende stark zurückgedrängt werden konnte. Jährlich sterben zwar noch immer um die 400 000 Menschen – vorwiegend kleine Kinder – an den Folgen einer Ansteckung.

Doch das sind 60 Prozent weniger als noch zur Jahrtausendwende. Parallel zum Rückgang der Mortalitätsrate hat auch die Zahl der neuen Fälle stark abgenommen. Nach WHO-Schätzungen beläuft sie sich aber immer noch auf rund 200 Millionen Fälle pro Jahr.

Gelder an Novartis

Das sind selbstredend zu viele. In den tropischen Gebieten Afrikas, wo Malaria am stärksten verbreitet ist, sorgt die Krankheit für unermessliches menschliches Leid und hält die Bevölkerung in einem Teufelskreis von gesundheitlicher Not und Armut gefangen.

Den Kampf gegen diese Kombination von extremer Armut und Krankheiten hat sich vor bald zwanzig Jahren auch die Bill & Melinda Gates Foundation auf die Fahne geschrieben. Und die Stiftung des Microsoft-Gründers erklärt in einem gestern erschienenen Erfahrungsbericht den Grund für ihren Einsatz: «Armut und Krankheit in armen Ländern sind die stärksten Beispiele, die wir für lösbare menschliche Not kennen. Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass diese Not lösbar ist. Es steht in unserer Macht zu entscheiden, wie viel davon wirklich gelöst wird. Wir müssen ehrgeizig sein. Wir müssen voranschreiten.»

Das Paar mit dem Milliardenvermögen unterstützt auch die Erforschung neuer Medikamente gegen Malaria. Einen Teil der Mittel fliesst über die Partnerschaftsorganisation Medicines for Malaria Venture (MMV) an Novartis. Die Forscher des Pharmakonzerns arbeiten mit Hochdruck an einem neuen Malaria-Medikament, das auch die gegen herkömmliche Medikamente zunehmend resistenten Parasiten beseitigen kann.

Christian Lengeler vom Schweizerischen Tropen und Public Health Institut in Basel spricht von einem «ernsthaften Problem», das aber noch keine unkontrollierten Ausmasse angenommen habe. Behandlungsresistente Parasiten tauchten bislang vor allem entlang des Mekong-Flusses in Südostasien auf. 90 Prozent der Malaria-Fälle konzentrieren sich aber auf den afrikanischen Kontinent.

Erste klinische Versuche für den neuen Wirkstoff mit dem Arbeitstitel KAF 156 sind angelaufen. Aber der Entwicklungsprozess dürfte – bei offenen Ergebnisausgang – noch mindestens drei Jahre in Anspruch nehmen, schätzt Lengeler. «Es ist ein Rennen gegen die Zeit, zumal die Verbreitung von Malaria auch so langsam wieder zuzunehmen scheint», sagt Lengeler.

Der extrem wandlungsfähige Erreger hat sich in den vergangenen Jahren immer besser auf Insektizide eingestellt. Fortschritte in der Entwicklung eines neuen Medikamentes sind deshalb zeitkritisch. Umso mehr, als Versuche mit einem neuen Impfstoff bislang nur enttäuschende Ergebnisse hervorgebracht haben.

Novartis hat im Kampf gegen Malaria schon seit langer Zeit die Nase vorn. Ein seit 2001 unter dem Namen Coartem angebotenes Kombinationspräparat gilt bis heute als wirkungsvollste Waffe gegen die Infektion.

800 Millionen Tabletten wurden davon bereits an Kranke abgegeben. Kein anderes Novartis-Medikament kommt punkto Volumen an die Malaria-Pille heran. Diese wird in den Ländern, wo die Epidemie grassiert, zum Selbstkosten- preis abgegeben. 70 Rappen beträgt der Preis für die Behandlung eines erwachsenen Patienten mit 24 Tabletten. In der Schweiz kostet es 50 Franken.

Fast eine Milliarde gesammelt

Der Erfolg ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen Industrie und öffentlicher Hand, wie sie 1999 erfunden werden musste, damit die humanitären Projekte im Gesundheitswesen nicht am Shareholder-Value-Denken der Pharmaindustrie zugrunde gehen. MMV ist das Ergebnis einer solchen Kooperation.

Fast eine Milliarde Dollar hat die aus 400 Partnern aus 50 Ländern bestehende Organisation seit ihrer Gründung gesammelt, um die Entwicklung humanitär wichtiger, kommerziell aber uninteressanter Forschungsprojekte sicherzustellen. Das Modell könnte Schule machen, hofft Christian Lengeler, der auch als Präsident des öffentlich-rechtlich und privaten Netzwerkes Swiss Malaria Group fungiert. Er verweist auf aktuelle Anstrengungen, die Pharmaindustrie bei der Entwicklung neuer Antibiotika wieder ins Boot zu holen. Solche Bemühungen könnten auch vor dem politischen Hintergrund wichtiger werden.

In den USA debattiert der Kongress über Donald Trumps Pläne zur Kosteneinsparung bei der humanitären Hilfe und auch der Bundesrat kürzte im August das Budget der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit mit der Folge, dass weniger Geld für die Bekämpfung von Malaria zur Verfügung steht.